IV. Theil. SicbcnziBcr !Lricf.
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dm Sinn aber dahin bestimmt, das; man dcn Subjecten derFabel entweder solche Handlimgen und Leidenschaften, überhauptsolche Prädicate, die ihnen zukommen, oder solche die ihnennicht zukommen, beylege. In dem ersten Falle hiessen es ver-nünftige Fabeln; in dem andern sittliche Fabeln? und ver-mischte Fabeln hiessen sie alsdcnn, wenn sie etwas sowohl vonder Eigenschaft der sittlichen als vernünftigen Fabel hätten.Allein auch diese verbesserte Einthcilung will unserm Verfasserdarum nicht gefallen, weil das nicht zukommen einen ÜbelnVerstand machen, und man wohl gar daraus schlicsscn könnte,daß der Dichter eben nicht gehalten sey, auf die Natur derGeschöpfe zu sehen, die er in seinen Fabeln aufführet. DieseKlippe also zu vermeiden, glanbt er, man werde am sicherstendie Verschiedenheit der Fabeln auf die verschiedene Möglichkeitder einzeln Falle, welche sie enthalten, gründen können. DieseMöglichkeit aber ist entweder eine unbedingte oder eine bedingte«Möglichkeit; und nm die alten Benennungen gleichfalls beyzube-halten, so nennt er diejenige Fabeln, vernünftige Fabeln, dereneinzelner Fall schlechterdings möglich ist; diejenigen hingegen, woer es nur unter gewissen Voraussetzungen ist, nennt er sittlicheFabeln. Die vernünftigen sind keiner fernern Abtheilung fähig;wohl aber die sittlichen. Denn die Voraussetzungen betreffen ent-weder die Subjecte der Fabeln, oder die Prädicatc dieser Subjecte.Fabeln, worinn die Subjecte vorausgesetzt werden, nennet ermythische Fabeln; und Fabeln, worinn crhöhtcrc Eigenschaftenwirklicher Subjecte angenommen werden, nennet er hypcrphysi-sche Fabeln. Die ferner daraus entstehende vermischte Gattun-gen nennet er die vernünftig mythischen, die vernünftig hy-perphysischcn, und die hyperphysischcn mythischen Fabeln. —Welche Wörter! werden Sie ausrufen. Welche unnütze schola-stische Grübelcy! Und fast sollte ich Zhncn Recht geben. Dadoch aber einmal die Frage von der Einthcilung der Fabelwar, so war es ihm auch nicht so ganz zu verdenken, daß erdie Subtilität in dieser Kleinigkeit so weit trieb, als sie sichtreiben läßt. — Was er auf die Fragen antwortet, wie weitin den hypcrphysischcn Fabeln die Natur der Thiere zu erhö-hen sey, und ob sich die Acsopischc Fabel zu der Länge eines