Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
188
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Briefe, die neueste Litteratur betreffend.

epischen Gedichts ausdehnen lasse, ist wichtiger; ich übergehe esaber, weil cs ohne seine Versuche, die er in Absicht der letztemFrage, gewagt hat, nicht wohl zu verstehen ist. Wenn Sie eseinmal selbst lesen sollten, so werden Sie leicht finden, daßseine Versuche seine Spekulation nicht erschöpfen.

Zn der vierten Abhandlung redet er von dem vortrageder Fabeln. Er charactcrisirt den Vortrag des Acsopus undPhädrus, und scheinet mit dem Vortrage des la Fontaine amwenigsten zufrieden zu seyn. L.a Fontaine bekannte aufrichtig,daß er die zierliche Präcision, und die ausscrordcntliche Kürze,durch die sich Phödrus so sehr empfehle, nicht habe erreichenkönnen; und daß alle die Lustigkeit, mit welcher er seine Fa-beln aufzustützen gesucht, weiter nichts als eine ctwanige Schad-loshaltung für jene wesentlichere Schönheiten seyn solle.WelchBekenntniß! ruft unser Verfasser aus. :c. ls. Band V, S. 410^ motplailant, mal« loli^e! Er gehet hierauf die Zicrrathen durch,deren die Fabel, nach dem Datteur, fähig seyn soll, und zeiget,daß sie schnurstracks mit dem Wesen der Fabel streiten. SogarPhädrus kömmt ihm nicht ungetadclt davon, und er ist kühngenug, zu behaupten, daß Phadrus, so oft er sich von derEinfalt der griechischen Fabeln auch nur einen Schritt entferne,einen plumpen Fehler begehe. Er giebt verschiedene Beweisehiervon, und drohet seine Beschuldigung vielleicht gar durch eineeigene Ausgabe des Phödrus zu rechtfertigen. Zch besorgesehr, unser Verfasser wird mit dieser Abhandlung am wenigstendurchkommen, und er wird von Glück zu sagen haben, wennman ihm keine schlimmere Absicht giebt, als die Absicht, seineeigene Art zu crzchlcn, so viel als möglich, zu beschönigen.

Die fünfte Abhandlung ist die kürzeste, und redet von ei-nem besondern kurzen der Fabeln in den Schulen. Es isthier nicht die Frage von dem moralischen Nutzen, sondern voneinem Nutzen, welchen der Verfasser den hcvristischen nennet.Er glaubt ncmlich, daß die Erfindung der Fabeln eine von denbesten Uebungen sey, durch die ein junges Genie gebildet werdenkönne. Da aber die wahre Art, wie eine Fabel erfunden wird,vielen Schwierigkeiten unterworfen ist, so räth er vors erste dieFabeln mehr finden als erfinden zu lassen;lind die allmähligcn