V. Theil. Sieben und siebenjigslcr Brief.
einst deine Füsse versuchen, und deine Zunge binden wird?Mußte sie gar so weit gehen, daß Herr Dusch im Deutschenlieber zu einem ganz andern Verstände Anlaß geben, als vonder wörtlichen Bedeutung abgehen wollte? Z. E.
t^ul tu lncte kavos A luili ilüue IZaeelioübersetzt Herr Dusch- Du «der opfere ihr mit Milch undreifem IVeine vermischten -Honigseim kliti Lac<:I>o, mit rei-fem Weine? Es ist wahr, mitis hat die Bedeutung reif, alswo Virgil sagt:
Ilou male turn mi/e« llvienciit p!>uininu8 ,wa«.Wenn wir aber im Deutschen reif zu Weine setzen, so bedeu-tet Wein uvas , nicht aber vmnr». Gleichwohl will Virgil nichtsagen, daß man der Ceres Honigseim mit Milch und reifenTrauben, sondern mit Milch und lieblichem IVcinc vermischt,opfern solle. — Mit dem nehmlichen Worte reif, begehet HerrDusch kurz zuvor einen ähnlichen Fehler, der aber noch weitlächerlicher ausfällt. Virgil sagt:
anuua inüAii!«
8»oia reler <?<zreri, lüvlis oporatus in Iierliis:
Extrem!« l'ul) calum u^emis, jam vere lerono.
^I'une »An! pinAues, tuno mo//t//!mw vt»a.Und Herr D- übersetzt: Feyere der grossen Leres ihr jährli-ches Fest, und bringe ihr auf den grünenden Rasen ihrGpfcr; rvenn der hinter zu Ende gehet, und der Frühlingschon heiter roird. Denn sind die Kammer fett; denn istder U?ein am reifsten. — Wenn ist der Wein am reifsten?Das ist: wenn giebt es die reifsten Trauben? Wenn der Win-ter zu Ende geht? Wenn der Frühling nun heiter wird? Omein Herr Dusch , wie leben Sie in der Zeit! — Es kannwohl seyn, daß mollis hier und da auch soviel als reif heißt,ob ich mich gleich auf keine Stelle zu besinnen wüßte. Aberes heißt doch nicht immer reif, und wenn es auch immer reifhiesse: so hätten Sie es doch hier nicht durch reif geben sotten. —Die Fortsetzung folgt.