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Briefe, die neueste Litteratur betreffend.
niich anführen. Zch will cS gewußt haben. — Geht denn das widerden Herrn Lramcr überhaupt, was widcr den Herrn Lramcrals Nordischeil Aufseher geht? Muß die Critik, die einzelneBlätter von ihm trist, alle seine Schriften treffen? Wenn ich zumvrcmpcl zu dem Herrn Vasedow sagte: Mein Herr, in dieserihrer Ausdehnung meines Tadels, ist eben so wenig Billigkeit,als Verstand. Habe ich damit gesagt, in allen BasedowschenSchriften sey eben so wenig Billigkeit als Verstand?
Zch habe immer geglaubt, es sey die Pflicht des CrilicuS,so oft er ein Werk zu beurtheilen vornimmt, sich nur auf die-ses Werk allein einzuschränken,' an keinen Verfasser dabey zudenken; sich unbekümmert zu lassen, ob der Verfasser noch an-dere Bücher, ob er noch schlechtere, oder noch bessere geschriebenhabe; uns nur aufrichtig zu sagen, was für einen Bcgrif sichman aus diesem gegenwärtigen allein, mit Grund von ihmmachen könne. Das, sage ich, habe ich geglaubt, sey die Pflichtdes Lriticus. Ist sie es denn nicht?
Hätte ich zu verstehen geben wollen, daß der Vorwurf, denich dem vornehmsten Verfasser des Nordischen Aufsehers,wegen seiner unleidlichen Schreibart mache, auch allen andernSchriften des Herrn Hofprcdigcr Lramers zu machen sey: sowürde ich es gewiß ausdrücklich gesagt haben- ich würde denHerrn Lramcr dabey gcncnnt haben, so wie ich es ohne diegeringste Zurückhaltung bey dem allgemeinen Urtheile über seineOden gethan habe. Aber wie konnte ich das hier thun, da ichmir deutlich bewußt war, daß Herr Lramcr in seinen morali-schen Abhandlungen, die in den bremischen Beyträgen undden vermischten Schriften zerstreuet sind, diese Schreibart nichthabe: daß er diese Schreibart von seinem Lhrysostomus undDossucc nicht könne gelcrnet haben? Ob er sie in seinen Pre-digten hat, das weis ich nicht: denn diese habe ich nie gele-sen. So viel aber weis ich, wenn er diese Schreibart in sei-nen Predigten hat, daß ich den Herrn Hofprcdigcr bctaurc; daßich seine Zuhörer bclaure. Aber es kann nicht seyn; cs mußin seinen Predigten mehr Licht, mehr Ordnung, mehr nach-drückliche Kürze herrschen: oder er verkennet die geistliche Bered-samkeit ganz. Welcher Prophet, welcher Apostel, welcher Kir-