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Briefe, die neiicsic Litteratur betreffend.
„etwas auch nur vermuthen zu können. Dieses Er war nichtumsonst in dem Manuskripte unterstrichen, ward nicht umsonstmit Schwabacher gedruckt. Dieses LLr war Herr Rlopsrock.Denn Herr Basedow wird doch wohl wissen, wofür die Gorr-schcde und Hudcmanns den Herrn Rlopstock halten. DieserLeute wegen that es mir im Ernste leid, daß Er eine Theorieverrathen habe, die ihren kahlen Beschuldigungen auf gewisseWeise zu statten komme.
Und so wenig ich aus des Herrn Rlopstocks Philosophiemache, eben so wenig mache ich aus seinen Liedern. Ich habedavon gesagt: „sie wären so voller Empfindung, daß man oft„gar nichts dabey empfinde. Herr Basedow hingegen sagt vondem Liede, von welchem damals vornehmlich die Rede war:„Es ist, wie mich dünkt, ganz so gedankenreich lind schön, wie„die folgende Strophe.
Jesus, Gott wird wiederkommen.
Ach laß uns dann mit allen Frommen
Erlöst zu deiner Rechten stehn!
Ach du müssest, wenn in Flammen
Tic Welt zerschmilzt, uns nicht verdammen!
Laß alle kämpfen dich zu sehn!
Dann setz auf deinen Thron
Die Sieger, Gottes Sohn,
Hosianna!
Zur Seligkeit
Mach uns bereit,
Durch Glauben, durch Gerechtigkeit.Das nennt Herr Äascvow gedankenreich? Wenn das ge-dankenreich ist; so wundere ich mich sehr, daß dieser gedanken-reiche Dichter nicht längst der Licblingsdichtcr aller alten Wei-ber geworden ist. Ist das der Dichter, der jenen Traum vomSokratcs gemacht hat? Damit aber Herr ZdaseSorv und seinesgleichen, nicht etwa meinen mögen, daß mein Urtheil über dieKlopstockischcn Lieder, ein blosser witziger Einfall sey, so willich ihnen sagen, was ich dabey gedacht habe. Es kann wahrseyn, dachte ich, daß Herr Rlopsiock', als er seine Lieder machte,in dem Stande sehr lebhafter Empfindungen gewesen ist. Weil