Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
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261
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VI. Theil. Hundert lind zwölfter Brief.

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er aber blos diese seine Empfindungen auszudrücken suchte, undden Reichthum von deutlichen Gedanken und Vorstellungen, derdie Empfindungen bey ihm veranlaßt hatte, durch den er sichin das andächtige Feuer gesetzt hatte, verschwieg und uns nichtmittheilen wollte: so ist es unmöglich, daß sich seine Leser zueben den Empfindungen, die er dabey gehabt hat, erheben kön-nen. Er hat also, wie man im Sprüchwortc zu sagen Pflegt,die Leiter nach sich gezogen, und uns dadurch Lieder geliefert,die von Seiten seiner, so voller Empfindung sind, daß ein un-vorbereiteter Leser oft gar nichts dabey empfindet. Der -Ham-burgische Anzeiger sagt, es sey ihm dieses mein Urtheil ebenso vorgekommen,als ob jemand von Messings schönen Fabelnurtheilen wollte, sie wären so witzig, daß sie oft ganz aber-witzig darüber würden. Der Herr versuche nunmehr, ob erin seine Znstanz eben den richtigen Sinn legen kann, der inmeinem Urtheile liegt. Desto schlimmer aber für Messingen,wenn seine Fabeln nichts als roi-zig sind! G

Hundert und zwölfter Brief.

Herr Basedow und nun werde ich seiner zum lctztcn-male gedenken, wirft auf allen Seiten mit Lieblosigkeiten,mit Verleumdungen um sich; und der ^amburgische Anzeigersagt, daß ein sehr niedriger Bcwegungsgrund mich aufgebrachthabe, den Aufscher als ein höchst schlechtes Werk herunter zusetzen. Beyde Herren muß ein verborgenes Geschwür jucken,das sie mit aller Gewalt aufgestochen wissen wollen. Ihr Willegeschehe also. Ich wünsche, daß die Operation wohl bekom-men möge.

Erinnern Sie sich wohl des erdichteten Briefes, den dernordische Ausseher in seinem sieben und drcyßigstcn Stücke mit-theilet? Vielleicht haben Sie ihn überschlagen. Ich meine folgenden.Mein Herr!

Hoffentlich werden Sie sich doch, bey dem Schlüsse des erstenTheils ihrer Blätter, in Kupfer stechen lassen. Ich habe Sie zwar nochnicht gesehen, so oft ich sie auch auf unsern Spatzicrgangcn aufgesuchthabe, und ich habe ein scharfes Gesicht. Gewiß Sie entziehen sichdem Publico allzusehr. Dennoch getraue ich mir, Sie vollkommen