Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
262
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262 Briefe, die neueste Litteratur betreffend.

zu treffen. Das verspreche ich: Ihr Portrait soll keinem in derBibliothek der schönen Wissenschaften etwas nachgeben. Ein altessaures Gesicht mit Runjeln, wie Gellcrt und ein anderer Dichter;tiefsinnig; schief; auch ein wenig mürrisch; denn im Schatten binich stark. Nicht wahr? Ich warte nur auf Ihre Erlaubnis, meinHerr, um den Grabstichel in die Hand zu nehmen; die Platte istschon fertig. Ich mache auch Inscriptioncn in Prosa und Versen,wenn Sie sie haben wollen. Ihr Verleger ist, wie ich höre, so eigen,daß er Ihr Bild dem Werke, ohne Ihr Wissen nicht vorsetzen will.Aber der wunderliche Mann! Er soll nicht dabey zu kurz kommen;das Buch wird gewiß desto bessern Abgang haben. Nur muß ermeine Muhe nicht umsonst verlangen.

DaS will ich Ihnen noch im Vertrauen stecken: Ich kenne eineetwas betagte reiche Wittwe, welche alle Augenblicke bereit ist, sichin Sie zu verlieben, wenn Sie so aussehen, wie ich Sie zeichnenwill. Die Frau sieht nicht übel aus. Sie sind doch noch Witt-wer? Ich bin Mein Herr

Ihr unterthäiugstcr DienerPhilipp Rauk.Kupferfleckcr.

Ich frage einen jeden, dem es bekannt ist, daß der Kupfer-stecher, der ein Paar Portraits vor der Bibliothek öer schonenWissenschaften gemacht hat, wirklich Rauke heißt, ob diesemBriefe das geringste zu einem förmlichen Pasquille fehlt? Zchwußte nicht, ob ich meinen Augen trauen sollte, als ich sahe,daß sich ein Mann, wie der Nordische Aufseher, der vonnichts als Religion und Redlichkeit schwatzt, der es seinerWürde für unanständig erklärt hatte, sich mit der Satyrc ab-zugeben, daß sich so ein Mann so schändlich vergangen hatte.Gesetzt der Künstler spräche zu ihm:Mein Herr, der sie soeigenmächtig nicht Tadel, sondern Schande austheilen, darfich wohl wissen, wie ich zu diesem Brandmahle komme? Esist wahr, ich habe eines von den bewußten Portraits gestochen;aber nicht aus freyem Willen, sondern weil es mir aufgetra-gen ward, weil mir die Arbeit bezahlt ward, und ich vondieser Beschäftigung lebe. Zch habe mein Bestes gethan.Allein man hat mir ein so schlechtes Gemählde geliefert, daß