VI. Theil. Hundert l»it zwölfter Brief.
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„ich nichts besseres daraus habe machen können. Zch sage Zh-„nen, daß alle die Fehler, die sie in nicincm Stiche tadeln,„in dem Gemählde gewesen sind; und daß ein Kupferstecher„keinen Fehler des Gemähldes nach Gutdünken verbessern kann,„ohne in Gefahr zu seyn, die Achnlichkcit auf einmal zu ver-nichten. Was weis ich, ob Herr Gellcrt ein Adonis ist,„oder ein saures Gesicht mit Runzel» hat? Was weis ich, ob„der andere Dichter (den ich nicht einmal gestochen habe) schief„und mürrisch aussieht? Wir Kupferstecher stechen die Leute,„wie wir sie gemahlt finden. Und als Kupferstecher, sollte ich„meinen, hätte ich doch immer noch einen Stichel gezeigt, der„fester und kühner ist, und mehr verspricht, als daß er eine so„öffentliche Beschimpfung verdient hatte. Doch dem sey wie„ihm wolle. Wenn ich auch schon der allcrelendcstc Kupfer«„frecher wäre, warum gehen Sie aus den Schranken des kriti-schen Tadels? Warum muß ich noch etwas schlimmeres als„der elendeste Kupferstecher, warum muß ich ihr Rupplcr seyn?„Muß ich ihr Ruppler seyn, weil ihre Freunde das Unglück„durch mich gehabt haben, nicht so schön und artig in der Welt„zu erscheinen, als sie sich in ihren Spiegeln erblicken? Die-„ses einzige frage ich Sie: muß ich darum ihr Rupplcr seyn? —Wenn, sage ich, der Künstler zu dem Aufseher so spräche; waskönnte der fromme, redliche, großmüthige Mann antworten?
Herr Dasevoro möchte gar zu gern meinen Namen wisse».Gut; er soll ihn erfahren, sobald einer von ihnen, entwederHerr Lramcr, oder Herr Rlopstock, oder Er selbst, das Herzhat, sich zu diesem Pasquille zu bekennen. G.
Siebenter Theil.
XII. Ten 18. September. 1760.
Hundert und sieden und zwanzigster Brief.
Sie kennen doch den Aesopischen Zahnschreyer, HermannAxel, den die Schweizerischen Kunstrichter vor einigen Jahrenmit so vieler zujauchzenden Bewunderung austrommelten? Erunterschied sich von andern Zahnschreyern besonders dadurch, daß