27<> Briefe, die ncncsie Liltcralur betreffend,
„seine Verbesserungen zur Beurtheilung vorlegt, nnd sich gcfal-„lcn läßt, ob er dieselben annehmen, oder ausschlagcn will."—So weit Herr G.!
Drey und zwanzigster Theil.V. Den 27. Innii 1766,
Drei) hundert und zwey und drcyßlgster Brief.
Der Verfasser der Versuche über den Charakter und dielVcrr'e der besten italienischen Dichter,' ist ein Mann, dereine wahre Hochachtung für sich erwecket. So ein Werk hatuns gefehlt, und es mit so vielem Geschmacke ausgeführet zusehen, konnten wir wünschen, aber kaum hoffen. Er ist dererste Ucbcrsctzcr, wenn man den, der eine so genaue Bekannt-schaft mit allen den besten Genies einer ganzen Nation zeiget,der ein so feines Gefühl mit cincm so richtigen Urtheile verbin-det, unter dessen Bearbeitung so vcrschiedne Schönheiten in ei-ner Sprache, für die sie gar nicht bestimmt zu seyn schienen,einen Glanz, ein Leben erhalten, das mit der Blüthe, in wel-cher sie auf ihrem natürlichen Boden prangen, wetteifert: wennman, sage ich, so einen Schriftsteller anders einen Uebcrsetzernennen darf; wenn er nicht vielmehr selbst ein Original ist,dem auch die Ersindsamkeit nicht mangeln würde, hätte es sichihrer, uns zum besten, nicht ißt entäußern wollen.
Man kann mit Wahrheit sagen, daß die italienische Littera-tur noch nie recht unter uns bekannt geworden. Zwar war ein-mal die Ieit, da unsere Dichter sich fast nichts als welscheMnstcr wählten. Aber was sür welche? Den Marino mitseiner Schule. Der Adonis war nnscrn Postcln und Feindendas Gedicht aller Gedichte. Und als uns die (5ritik über dasVerdienst dieser Muster und dieser Nachahmer die Augen öfnctc,so erwogen wir nicht, daß unser falscher Geschmack gerade aufdas schlechteste gefallen war, sondern Dame und Petrarca mußtedie Verführung ihrer schwülstigen und spitzfindigen Nachkommen
° Brannsclnrciq, im Verlage des Wavsenhauses, erster Band 17KZ.zwtt'ttr Band 176t, in 8.