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6 (1839)
Entstehung
Seite
278
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278 Briefe, die nencstc Litteratur betreffend.

den Critik aufgenommen.Man kann bemerken, sagt er, daß jc-mchr sich die Völker dein Süden nähern, mit desto leichterer Näh-erung sich ihre Seelen so wohl als ihre Körper befriedigen. Der Eng-länder brancht ohne Zweifel die schwereste und die solideste. SeinemGeschmacke ist vielleicht der unsrige am ahnlichsie». Dem Franzosen ist diese Nahrung zn stark, er muß sie mit L«in'it verdünnen, oderer ist im Nothfall auch mit Is^iit allein zufrieden. Die Italiener entsagen gern beyden, wenn man nur ihre Einbildungskraft durchGemählde beschäftiget, und ihr Vchör durch einen musicalischen Klangvergnügt. Die Spanier sind endlich so mäßig, daß sie sich mit ei-ncm blossen prächtigen und harmonischen Schalle, mit einer Reihetönender Worte begnügen können. Man hat in der That Poesienvon ihren berühmtesten Dichtern, die niemals ein Mensch, auch ihreVerfasser selbst nicht verstanden haben, die aber sehr gut klingen undvoll von prächtigen Metaphern sind. So verschieden ist der Geschmackder Völker, so verschieden ihre Vorzüge."

Der Verfasser bedienet sich bey den Werken, die er uns be-kannt macht, der Ordnung der Zeit, und diese Ordnung hat denVortheil einer Geschichte, die den Ursprung und das Wachsthumder italienischen Dichtkunst zeiget, und uns die verschiedenenVeränderungen in dem Geschmacke der Nation vor Augen stel-let. Den ersten Vand nehmen also Dante und Petrarca ein,und wir lernen diese Väter der welschen Poesie in ihrer wahrenGestalt kennen. Der zrveyrc Vand enthält die Dichter des fünf-zehnten Jahrhunderts, und aus dem sechzehnten die vornehmstenNachahmer des Petrarca, nebst demjenigen Dichter, den maneigentlich den Dichter der Nation nennen muß, dem Ariost .Der Beschluß folgt künftig.

VI. Den 4. Julii 4765.Beschluß dcs dreihundert und zwey und dreyßigsten

Briefes.

Die geringe Anzahl der guten Dichter des fünfzehnten Jahr-hunderts, dcs Zeitalters der XNcdiccs, dieser großmüthigen Be-schützer und Ausmuntcrcr aller Künste und Wissenschaften, ver-anlaßt den Ncrfasser zu cincr Anmerkung, die eben so scharfsin-nig als wahr ist. Da sie auf den äußerlichen Zustand der