XXIII. Theil. Treyhuudcrt und zwey und dreyßigsicr Br. 27!)
deutschen Litteratur gewissermaasscn angewendet werden kann,so wünschte ich sehr, daß sie diejenigen endlich einmal zum Still-schweigen bringen möchte, die über den Mangel an Unterstützungso häufige und bittere Klagen führen, und in dem Tone wah-rer Schmeichler den Einfluß der Großen auf die Künste so über-treiben, daß man ihre eigennützige Absichten nur allzudcutlichmerkt. „Man irret sehr, sagt er, wenn man den Maiigel großer Ge-„nieS zu gewissen Zeiten dem Mangel der Belohnungen und Zlufinuii'„terungcn zuschreibt. Das wahre Genie arbeitet, gleich einem rcissen-„den Strome, sich selbst seinen Weg durch die größte Hindernisse.„Shakespear , der zu einem Handwerke erzogen worden, ward ein gro-„ßer Poet, ohne irgend eine Aufmunterung zu haben, ja so gar, ohne„selbst es zu wissen. Einer der größten heutigen italienischen Dichter„macht, als ein armer Beckerjunge Verse, die einen grossen Künstlich«„ter in Erstaunen setzen, und ihn bewegen, sich seiner anzunehmen.„Uebcrhaupt können Aufmunterungen niemals Genies erzeugen; und„sie schaden gewiß allemal denen, die cS schon sind, wenn der Gönner„nicht selbst den wahren, den großen Geschmack der Künste besitzet.„Einen Beweis davon findet man vielleicht selbst in den so gerühmten„Freygebigkeit«! Ludwigs des vierzehnten, die ihm so viel Ehre ge«„macht haben. Alle die großen Genies, die seiner Regierung den„größten Glanz gaben, waren ohne seine Aufmunterung entstanden,„und Racine/ der so sehr den Geschmack der Natur hatte, dessen Ge-„nie mit dem Geiste der Alten genährt war, halte vermuthlich seine„Tragödien nicht durch so viel Galanterie entnervet, wir wurden mehr„Athalien von ihm haben, wenn ihn nicht diese Aufmunterungen ge-„nöthiget hätten, dem Geschmacke eines weibischen Hofes zu schmei»„cheln. Ter wichtigste Nachtheil aber, welchen der große Schutz viel-leicht nach sich ziehet, den die schönen Wissenschaften bey Regenten„finden, ist dieser, daß dadurch die Begierde zu schreiben, zu schraub„gebreitet wird, daß so viele, bloß witzige Köpfe sich an Arbeiten wa-„gen, die nur dem Genie zukommen. Diese, welche die großen Füge„der Natur nicht erreichen können, (denn die trift allein das Geuic)„suchen sich durch neue Manieren, durch Affectationen zu untcrschci-„den, oder führen das Publicum von der Natur zum Gekünstelten,„Dieses ist vermuthlich die Ursache, daß allemal auf die Zeiten der