Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
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Sophokles .

Erstes Buch.Von dem Leben des Dichters.1 7 « 0.

Dayle, der in seinem kritischen Wörterbuchs sowohl deinAcschylus, als dem LLuripiSes einen besondern Artikel gewidmethat, übergehet den Sophokles mit Stillschweigen. VerdienteSophokles weniger gekannt zu werden? War weniger Merk-würdiges von ihm zu sagen, als von jenen seinen Mitbewerbernum den tragischen Thron?

Gewiß nicht. Aber bey dem Aeschylus hatte Daylen,Stanley; bey dem Lüuripides hatte ihm Narnes vorgearbeitet.Diese Männer hatten für ihn gesammelt, für ihn berichtiget,für ihn verglichen. Voll Zuversicht auf seinen angenehmernVortrag, setzte er sich eigenmächtig in die Rechte ihres Fleißes.Und diesem Fleiße den Staub abzukehren, den Schwcis abzu-trocknen, ihn mit Blumen zu krönen: war seine ganze Arbeit.Eine leichte und angenehme Arbeit!

Hingegen, als ihn die Folge der Buchstaben auf den So-phokles brachte, vergebens sah er sich da nach einem Stanleyoder Barnes um. Hier hatte ihm niemand vorgearbeitet. Hiermußte er selbst sammeln, berichtigen, vergleichen. Wäre esschon sein Werk gewesen, so erlaubte es ihm itzt seine Zeit nicht:und Sophokles blieb weg.

Die nehmliche Entschuldigung muß man auch seinem Fort-setzer, dem Herrn Lhaufepie, leihen. Auch dieser fand nochkeinen Vorarbeiter: und Sophokles blieb abermals weg.

Man gewinne aber einen alten Schriftsteller mir erst lieb,und die geringste Kleinigkeit, die ihn bctrift, die einige Bezie-hung auf ihn haben kann, höret auf, uns gleichgültig zu seyn.Seit dem ich es belauere, die Dichtkunst des Aristoteles eherstudieret zu haben, als die Muster, aus welchen er sie abstra-hierte: werde ich bey dem Namen Sophokles , ich mag ihn fin-