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den, wo ich will, aufmerksamer, als bey meinem eigenen. Undwie vielfältig habe ich ihn mit Vorsatz gesucht! Wie viel Un-nützes habe ich seinetwegen gelesen!
Nun denke ich: keine Mühe ist vergebens, die einem andernMühe ersparen kann. "Ich habe das Unnütze nicht unnützlichgelesen, wenn es, von nun an, dieser oder jener nicht weiterlesen darf. Ich kann nicht bewundert werden; aber ich werdeDank verdienen. Und die Vorstellung, Dank zu verdienen,muß eben so angenehm seyn, als die Vorstellung bewundert zuwerden: oder wir hatten keine Grammatiker, keine Littcratorcs.
Mit mchrerm Wortgcprängc will ich dieses Leben meinesDichters nicht einführen. Wenn ein Kenner davon urtheilet,„Zöarncs würde es gelehrter, Zda^le würde es angenehmer„geschrieben haben:" so hat mich der Kenner gelobt.
„Vor allen Dingen muß ich von meinen Quellen Rechen-schaft geben (^). Diesen zufolge war Sophokles von Geburt„ein Achenienscr, und zwar ein Roloniare <Z). Sein Vater„hieß Sophilus (L). Nach der gemeinsten und wahrscheinlich-em Meinung, ward er in dem zweien Zahre der ein und„siebzigsten Olympias gebohren (0).
„Er genoß eine sehr gute Erziehung. Die Tanzkunst und„die Musik lernte er bey dem K.amprus, und brachte es in„dieser letztem, wie auch im Ringen so weit, daß er in beiden„den Preis erhielt (k). Er war kaum sechzehn Zahr alt, als„er mit der Lcycr um die Tropäcn, welche die Athenicnscr nach„dem Salaminischcn Siege errichteten, tanzte, und den Lobgc-„sang anstimmte. Und das zwar, nach einigen, nacket und„gesalbt; nach andern aber, bekleidet In der tragischen„Dichtkunst soll Aeschflus sein Lehrer gewesen seyn; ein Um-„ stand, an welchem ich aus verschiedenen Gründen zweifle so).„Ist er unterdessen wahr, so hat schwerlich ein Schüler das„Ucbertricbcne seines Meisters, woraus die Nachahmung immer„am ersten fällt, besser eingesehen und glücklicher vermiede»,„als Sophokles . Ich sage dieses mehr nach der Vcrgleichung„ihrer Stücke, als nach einer Stelle des Plurarchs (u).