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6 (1839)
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391
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Ueber die vrcnzc» tcr Mahlerey »nd Poesie.

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tig übcrhingchcndcn Grade der äussersten Raserey ci»c Dauerzu geben, die alle Natur empöret. Der Dichter,« der ihn dcs-falls tadelt, sagt daher sehr sinnreich, indem er das Bild selbstanredet:Durstest du den» beständig nach dem Vlute deinerKinder? Ist denn immer ein neuer Zason, immer eine neueCreusa da, die dich unaufhörlich erbittern? Zum Henkermit dir auch im Gemählde! setzt er voller Verdruß hinzu.

Aon dem rasende» Ajar des Timomachus läßt sich aus derNachricht des Philostrats urtheilen, s Ajax erschien nicht, wieer unter den Hecrdcn wüthet, und Rinder und Böcke für Men-schen fesselt und mordet. Sondern der Meister zeigte ihn, wieer nach diesen wahnwitzigen Heldenthaten ermattet da sitzt, undden Anschlag fasset, sich selbst umzubringen. Und das ist wirk-lich der rasende Ajar; nicht weil er eben itzt raset, sondernweil man siehet, daß er gcrasct hat; weil man die Grösse sei-ner Raserey am lebhaftesten aus der verzwciflungsvollcn Schamabnimt, die er nun selbst darüber cmpsindct. Man siehet denSturm in den Trümmern und Leichen, die er an das Landgcworffcn.

IV.

Ich übersehe die angeführten Ursachen, warum der Meisterdes Laokoon in dem Ausdrucke des körperlichen SchmerzesMaaß halten müssen, und finde, daß sie allesamt von der ei-genen Beschaffenheit der Kunst, und von derselben nothwendigenSchranken und Bedürfnissen hergenommen sind. Schwerlichdürfte sich also wohl irgend eine derselbe» aus die Poesie an-wenden lassen.

Oh»c hier zu uutcrsuchc», wie weit es dem Dichter gelin-ge» kau», körperliche Schönheit zu schildern: so ist so viel un-streitig, daß, da das ganze unermeßliche Reich der Vollkom-menheit seiner Nachahmung offen stehet, diese sichtbare Hülle,uittcr welcher Vollkommenheit zu Schöiiheit wird, »ur ciiies von

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