Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
399
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lieber die Kreuzen der Mahlerey inib Poesie.

39!»

ein Mann also, bey welchem man nicht leicht eine falsche Deli-katesse argwohnen darf. Wie schon berührt, so giebt er ibmauch einen sehr gntcn Grund. Alle Empfindungen und Leiden-schaften, sagt er, mit wclcben andere nur sehr wenig sympathi-sircn können, werden anstössig, wenn man sie zu heftig aus-drückt.'-Ans diesem Grunde ist nichts unanständiger, und ci-nein Manne unwürdiger, als wenn er den Schmerz, auch denallcrhcftigstcn, nicht mit Geduld ertragen kann, sondern wci-nct nnd schreyet. Zwar giebt es eine Sympathie mit demkörperlichen Schmerze. Wenn wir sehen, daß jemand einenSchlag ans den Arm oder das Schienbein bekommen soll, sofahren wir natürlicher Weise zusammen, und ziehen unserneigenen Arm, oder Schienbein, zurück; und wenn der Schlagwirklich geschieht, so empfinden wir ihn gcwisscrmaasscn ebensowohl, als der, den er getroffen. Gleichwohl aber ist es gc-wiß, daß das Uebel, welches wir fühlen, gar nicht beträchtlichist; wenn der Geschlagene daher ein heftiges Geschrey erregt,so ermangeln wir nicht ihn zu verachten, weil wir in derVerfassung nicht sind, eben so heftig schreyen zu können, alser." Nichts ist bctrüglichcr als allgemeine Gesetze für un-sere Empfindungen. Ihr Gewebe ist so fein und verwickelt,daß es auch der behutsamsten Spekulation kaum möglich ist, ei-nen einzeln Faden rein aufzufassen und durch alle Krcuzfädcnzu verfolgen. Gelingt es ihr aber auch schon, was für Nutzenhat es? Es giebt in der Natur keine einzelne reine Empfindung;mit einer jeden entstehen tausend andere zugleich, deren geringstedie Grundcmpfindung gänzlich verändert, so daß Ausnahmenüber Ausnahmen erwachsen, die das vermeintlich allgemeineGesetz endlich selbst auf eine blosse Erfahrung in wenigeinzeln Fällen einschränken. Wir verachten denjenigen,sagt der Engländer, den wir unter körperlichen Schmerzen hef-tig schreyen hören. Aber nicht immer: nicht zum erstenmale;nicht, wenn wir sehen, daß der Leidende alles mögliche anwen-det, seinen Schmerz zu vcrbcisscn; nicht, wenn wir ihn sonstals einen Mann von Sündhaftigkeit kennen; noch weniger,

c) ?I>e ri>eor>- vf lUor.il SenUineulK, ^>l!»u 8m»I>. pur! I. lLcl, 2.clian. 1. p. 41. (London 1761.)

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