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lieber die Grenzen der Mahlerey und Poesie. 405
Virgils Vorgänger gewesen, so brauchten die griechischen Künsi-lcr ihre Anleitung nicht aus einem lateinischen Dichter zu hohlen,und die Muthmaassung von ihrem Zeitalter gründet sich auf nichts.
Indeß wenn ich nothwendig die Meinung des Marlianiund Montfaucon behaupten müßte, so würde ich ihnen folgendeAusflucht leihen. Pisandcrs Gedichte sind verloren; wie dieGeschichte des Laokoon von ihm crzchlct worden, läßt sich mitGewißheit nicht sagen; es ist aber wahrscheinlich, daß es miteben den Umständen geschehen sey, von welchen wir noch itztbey griechischen Schriftstellern Spuren finden. Nun kommenaber diese mit der Erzchlung des Virgils im geringsten nichtübcrein, sondern der römische Dichter muß die griechische Tradi-tion völlig nach seinem Gutdünken umgcschmolzcn haben. Wieer das Unglück des Laokoon crzchlct, so ist es scine eigene Er-findung; folglich, wenn die Künstler in ihrer Vorstellung mitihm harmonircn, so können sie nicht wohl anders als nach sei-ner Zeit gelebt, und nach seinem Vorbilde gearbeitet haben.
Quintus Ealabcr läßt zwar den Laokoon einen gleichen Ver-dacht, wie Virgil , wider das hölzerne Pferd bezeigen; alleinder Zorn der Minerva, welchen sich dieser dadurch zuziehet,äusscrt sich bey ihm ganz anders. Die Erde erbebt unter demwarnenden Trojancr; Schrecken und Angst überfallen ihn; einbrennender Schmerz tobet in seinen Augen; sein Gehirn leidet;er raset; er »erblindet. Erst, da er blind noch nicht aufhört,die Verbrennung des hölzernen Pferdes anzurathen, sendet Mi-nerva zwey schreckliche Drachen, die aber bloß die Kinder desLaokoon crgrciffcn. Umsonst strecken diese die Hände nach ihremVater aus; der arme blinde Mann kann ihnen nicht hclffcn;sie werden zerfleischt, und die Schlangen schlüpfen in die Erde.Dem Laokoon selbst geschieht von ihnen nichts; und daß dieserUmstand dem !>uintusnicht eigen, sondern vielmehr allgemeinangenommen müsse gewesen seyn, bezeiget eine Stelle des Lyko-phron, wo diese Schlangen« das Beywort der Kinderfrcsscr führen.
<?) psrslil». lib. Xll. V. 3S8-408. <e V. 439-474.e) Oder vielmehr, Schlange; denn Lvtophron schein« nur cinc anczcnoin.»icn zu haben:
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