lieber die Grenzen der Mahlerey mid Poesie.
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Kunstwerke vorgestellet worden, ist der Gegenstand seiner Nach-ahmung, und wenn cr auch schon das mit beschreibt, was mandarauf vorgestellet sieht, so beschreibt cr es doch nur als einTheil des Schildes, und nicht als die Sache selbst. WennNirgil hingegen die Gruppe Laokoon nachgeahmet hätte, sowürde dieses eine Nachahmung von der zweyten Gattung seyn.Denn cr würde nicht diese Gruppe, sondern das, was dieseGruppe vorstellet, nachgeahmet, und nur die Züge scincr Nach-ahmung von ihr entlehnt haben.
Bey der ersten Nachahmung ist der Dichter Original, beyder andern ist cr Copist. Zcnc ist ein Theil der allgcmcincnNachahmung, wclche das Wesen scincr Kunst ausmacht, under arbeitet als Genie, sein Norwurf mag ein Werk andcrcrKünste, oder der Natur seyn. Diese hingegen setzt ihn gänzlichvon scincr Würde herab; anstatt dcr Dinge selbst ahmet cr ihreNachahmungen nach, lind giebt uns kalte Erinnerungen vonZügen eines fremden Genies, für ursprüngliche Züge seines eigenen.
Wenn indeß Dichter und Künstler diejenigen Gegenstände,dic sie mit cinandcr gcmcin habcn, nicht selten aus dem nehm-lichen Gesichtspunkte betrachten müssen: so kann es nicht fehlen,daß ihre Nachahmungen nicht in vielen Stücken übereinstimmensollten, ohne daß zwischen ihnen selbst die geringste Nachah-mung oder Bccifcrung gcwcscn. Dicsc Uebereinstimmungen kön-nen bey zcitvcrwandten Künstlern und Dichtern, über Dinge,welche nicht mehr vorhanden sind, zu wcchsclsweiscn Erläutc-rungcn führen; allein dergleichen Erläutcrungcn dadurch aufzu-stützen suchen, daß man aus dem Zufalle Vorsatz macht, undbesonders dem Poeten bey jeder Kleinigkeit ein Augenmerk ausdicsc Statue, oder auf jenes Gemählde andichtet, heißt ihm ei-nen sehr zwcydcutigen Dicnst crwciscn. Und nicht allein ihm,sondern auch dem Leser, dem man dic schönste Stelle dadurch,wenn Gott will, sehr deutlich, aber auch trefflich frostig macht.
Dieses ist die Absicht und dcr Fehler eines berühmten eng-lischen Werks. Spcncc schrieb seinen Polymctis» mit viclcr
») Die erste Ausgabe ist von 1747; -die zweyte von 1766 und siihrclden Zilcl: ?olv>nelis, or i>» ?.n>l«ir>' cvncermn? IIiv ^L^'invnl Iielveen>!».> ^V«rk5 »t »>e Nom«» Nein»!»» »f Nie »»livii I ^rli^lij,
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