Ueber die Grenze» der Mahlerey und Poesie.
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ficht in die Bestimmung der Kunst, behauptet, daß dieses oderjenes der alte Künstler nie gemacht habe, nehmlich als Künst-ler nicht, frcywillig nicht: so wird dieser es dahin ausdehnen,daß cs auch weder die Religion, noch sonst eine außer demGebiete der Kunst liegende Ursache, von dem Künstler habemachen laßen, von dem Künstler nehmlich als Handarbeiter.Er wird also mit der ersten mit der besten Figur den Kennerwiderlegen zu können glauben, die dieser ohne Bedenken, aberzu großem Aergernisse der gelehrten Welt, wieder zu demSchütte verdammet, woraus sie gezogen worden.«
<?) Als ich oben behauptete, daß die alte» Künstler keine Furien gebildethätte», war es nur nicht entfallen, das; die Furien mehr als einen Tempelgehabt, die ohne ihre Statuen gewiß nicht gewesen sind. In dem zu Cerv-nca fand Pausanias dergleichen von Holz; sie waren weder groß, noch sonstbesonders merkwürdig; cs schien, daß die Kunst, die sich nicht an ihnen zei-gen können, cs an den Bildsäulen ihrer Priestcrinnen, die in der Halle desTempels standen, einbringen wollen, als welche von Stein, und von sehrschöner Arbeit waren. (p»ul»»ias ^cUaio. c->i>. XXV. i>. 287, I5,M. X»i>,>.)Ich Halle eben so wenig vergessen, daß man Köpfe von ihnen auf einem Abraras,den Chiffletius bekannt gemacht, und auf einer Lampe beym Licclus zu scheuglaube. (UiskerüU. tue le» t'uries Mr IZüiinior, Mowoirvs ÜL I ^cnlluinlu>lk8 liiferii». r. V. I>. 48.) Auch sogar dic Urne von Hetrurischcr Arbeitbcvm Gorius jsi niukei Lirukni) auf welcher Orestes und Pvladcs
erscheinen, wie ihnen zwey Furien mit Fackeln zusetzen, war mir nichl unbe-kannt. Allein ich redete von Kunstwerken, von welchen ich alle diese Stückeausschließen zu können glaubte. Und wäre auch das letztere nicht so wohlals dic übrigcn davon auszuschlicßcn, so dienet cs von cincr andern Seite,mehr mcinc Meinung zu bestärken, als zu widerlegen. Den» so wenig auchdic hetrurischcn Künstler überhaupt auf das Schöne gearbeitet, so scheinensie doch auch dic Furie» nicht so wohl durch schrccklichc Gcsichlszügr, alsviclmcl'r durch ihrc Tracht und Attribute, ausgcdrttckt z» habe». Diese sto-ße» mit so ruhigem Gesichte dem Orestes u»d "Pvladcs ihrc Fackel» unter dieAugen, daß sie fast scheinen, sie nur im Scherze erschrecke» zu wolle». Wiefürchterlich sie dem Orestes und Pvladcs vorgekommen, läßt sich nur aus ih-rcr Furcht, kmicswcges aber aus der Bildung der Furien selbst abnehme».Es sind also Furien, und sind auch kcine; sie verrichte» das Amt der Furien,aber nicht in der Verstellung von Grimm und Wuth, welche wir mit ihremName» zu verbinden gewohnt sind; nicht mit der Stirne, dic wie K'alull sagt,cxjiir-lttli» i>ric,ioi>i»i iiveloli-, iins. — Noch kürzlich glaublc Hcrr Winkelmann, aus cincui Caniiolc in dem Stoßischc» Cabincttc, eine Furie im Lausemit flicgciidcm Rocke >md Haare», u»d einem Dolche in der Ha»d, gesunde» zuvabcn. (Bibliothek der sch. Wiss. VBand S. 30-) Der Hcrr von Hagcdor»