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6 (1839)
Entstehung
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438
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jiaokoou.

Gegentheils kann man sich aber auch den Einfluß der Re-ligion auf die Kunst zu groß vorstellen. Spcncc giebt hiervonein sonderbares Beyspiel. Er fand beym Ovid , daß Vcsta inihrem Tempel unter keinem persönlichen Bilde verehret worden;uud dieses dünkte ihm genug, daraus zu schlicsscn, daß es über-haupt keine Bildsäulen von dieser Göttin gegeben habe, unddaß alles, was man bisher dafür gehalten, nicht die Vcsta,sondern eine Vcstalin vorstelle.-? Eine seltsame Folge! Vcrlohrder Künstler darum sein Recht, ein Wesen, dem die Dichtereine bestimmte Persönlichkeit geben, das sie zur Tochter des Sa-turnus und der Ops machen, das sie in Gefahr kommen lassen,unter die Mißhandlungen des Priapus zu fallen, und was siesonst von ihr crzchlen, verlohr er, sage ich, darum sein Recht,dieses Wesen auch nach seiner Art zu vcrsonisiren, weil es inEinem Tempel nur unter dem Sinnbilde des Feuers verehretward? Denn Spcncc bcgchct dabey noch diesen Fehler, daß erdas, was Ovid nur von einem gewissen Tempel der Vcsta,nchmlich von dcm zu Rom sagt,« auf alle Tempcl dicscr Göttin

riclh hierauf auch den Künstlern schon ein, sich diese Anzeige zu Nutze zumachcn, und die Furien in ihren Gemählden so vorzustellen. (Bclrachtungcnüber die Mahlerey S. ???.) Allein Herr Winkelniaiin hat hernach diese seineEntdeckung selbst wiederum ungewiß gemacht, weil er nicht gefunden, daß dieFurien, anstatt mit Fackeln, auch mit Dolchen von dcn Alten bewaffnet worden.(Iieke>i,il. iles Pierre« xravee« i>> 84.) Ohne Zweifel erkennt er also die Figuren,auf Münzen der Städte Lyrba und Maßaura, die Spannhcim sür Furien aus-gicbt (i.e» cekitrs ,ie lulle» n. 44.) nicht dafür, sondern für eine HccateIrikormi,-!; denn sonst fände sich allerdings hier eine Furie, die in jcdcr Handeitlen Dolch führet, und es ist sondcrbar, das; eben diese auch i» bloßen un-gebundenen Haaren erscheint, die an den andern mit einem Schlcycr bedecktsind. Doch gesetzt auch, es wäre wirklich so, wie es dcm Herrn Winkcl-maun zucist vorgckommcn: so würde es auch mit dicsem geschnittenen Steineeben die Bewandtnis; haben, die es mit der Hcirurischen Urne hat, es wäredenn, daß sich wcgcn Kleinheit der Arbeit gar keine Gcsichtszügc erkennenließen. Ucbcrdcm grhörcn auch die gcschnittcncn Slcinc überhaupt, wegen ihresGebrauchs als Siegel, schon mit zur Bildersprache, und ihre Figuren mögensflercr eigensinnige Svmbola der Besitzer, als freiwillige Werke der Künstler seyn.

</) I>»Iv»i>!ti!« VII. I>. 81.

e) I'-itt. Ii>>. VI. v. SS5-98.Alle >Iiu klliU»» Veklio siinuliicr» nutnvi:

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