Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
446
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Laokeon.

wovon ich das Wesentlichste, zu bcßcrer Erwägung, hier an-merke.

Der Künstler, ist des Grafen Absicht, soll sich mit demgrößten mahlerischen Dichter, mit dem Homer, mit dieser zwey-ten Natur, näher bekannt machen. Er zeigt ihm, welchen rei-chen noch nie genutzten Stoff zu den trefflichsten Schildcrcycndie von dem Griechen behandelte Geschichte darbiete, und wieso viel vollkommncr ihm die Ausführung gelingen müßc, jegenauer er sich an die kleinsten von dem Dichter bemerkten Um-stände halten könne.

Zn diesem Vorschlage vermischt sich also die oben getrenntedoppelte Nachahmung. Der Mahler soll nicht allein das nach-ahmen, was der Dichter nachgeahmet hat, sondern er soll esauch mit den nehmlichen Zügen nachahmen; er sott den Dichternicht bloß als Erzchlcr, er soll ihn als Dichter nutzen.

zu Elis, rulttc» sie bcvde als Knaben in dc» Armen der Nacht, Nur warder eine weis;, der andere schwarz; jener schlief, dieser schien zn schlafen;bevde mit übereinander geschlagenen Fußen, Denn so wollte ich die Wortedes Pausanias (rmav. cnp. xvm. >>. 4ZZ. L>m. I<»i>.) ««.^o^-tzo-v? ö,,-.^«^,,-,'0^5 -ro-u? ?wöa?, lieber übersetzen, als mit krummen Füßen, oderwie es Gcdovn in seiner Sprache gegeben hat: Iv» pwiis en»irek»i>». Wassollten die krummen Füße hier ausdrücke»? Ucbrreinandcr geschlagene Füßel'ingcgcn sind die gewöhnliche Lage der Schlafenden, und der Schlaf bcvmMaffci (N»ccoi. ?>. t5t.) liegt nicht anders. Die neuen Artisten sind vondieser Achnlichkcit, welche Schlaf und Tod bev den Alte» miteinander l'aben,ganzlich abgegangen, und der Gebrauch ist allgemein worden, den Tod alsein Skclct, l'öchsieus als ein mit Haut bekleidetes Skelet vorzustellen. Voralle» Dingen halte Cavlus dem Künstler also hier rathen müßen, ob er inVorstellung des Todes dem alte» oder dem neuen Gebrauche folgen solle.Doch er scheinet sich für den neuern zu erklären, da er den Tod als eineFigur betrachtet, gegen die eine andere mit Blume» gckrönct, nicht wohlgruppirc» möchtc. Hat er aber hicrbcv auch brdacht, wie unschicklich diesemoderne Idee in einem lwmcrischc» Gcmäuldc scv» dürfte? Und wie hat ihmdas Eckelbastc derselben nicht anstößig scvn können? Ich kann mich nichtbereden, daß das kleine metallene Bild in der Herzoglichen Gallcrie zu Florenz ,welches ein liegendes Skclct vorstellet, das mit dem einen Arme auf einemAschciikruac rul'et, (snences i>oi>i»olij? xl.1) eine wirkliche Antikescv. Dc» Tod überhaupt kau» es weuigstciis nicht vorstellen sollen, weil ih»die Alte» anders vorstellten. Selbst ihre Dichter habe» ih» mitcc diesem wi-derliche» Bilde nie gedacht.