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Ueber die Grenzen der Mahlerey und Poesie. 463
Sennc, zieht die Scnne mit samt dem Pfeile unten an demEinschnitte zurück, die Senne nahet sich der Brust, die eiserneSpitze des Pfeiles dem Bogen, der grosse gerundete Bogenschlägt tönend auseinander, die Senne schwirret, ab sprang derPfeil, und gierig fliegt er nach seinem Ziele.
Ucberschcn kann Caylus dieses vortreffliche Gemählde nichthaben. Was fand er also darin», warum er es für unfähigachtete, seinen Artisten zu beschäftige»? Und was war cS,warum ihm die Versammlung der rathpflegcndcn zechende»Götter zu dieser Absicht tauglicher dünkte? Hier sowohl alsdort sind sichtbare Vorwürfe, und was braucht der Mahlermehr, als sichtbare Vorwürfe, um seine Fläche zu füllen?
Der Knoten muß dieser seyn. Ob schon beyde Vorwürfe,als sichtbar, der eigentlichen Mahlerey gleich fähig sind: so fin-det sich doch dieser wesentliche Unterschied unter ihnen, daß je-ner eine sichtbare fortschreitende Handlung ist, deren verschiedeneTheile sich nach und nach, in der Folge der Zeit, cräugncn, die-ser hingegen eine sichtbare stehende Handlung, deren verschiedeneTheile sich neben einander im Raume entwickeln. Wenn nunaber die Mahlerey, vermöge ihrer Zeichen oder der Mittel ihrerNachahmung, die sie nur im Raume verbinden kann, der Zeitgänzlich entsagen muß: so können fortschreitende Handlungen,als fortschreitend, unter ihre Gegenstände nicht gehören, sondernsie muß sich mit Handlungen neben einander, oder mit blossenKörpern, die durch ihre Stellungen eine Handlung vermuthenlassen, begnügen. Die Poesie hingegen--
XVI.
Doch ich will versuchen, die Sache aus ihren ersten Grün-den herzuleiten.
Ich schliesst so. Wenn es wahr ist, daß die Mahlerey zuihren Nachahmungen ganz andere Mittel, oder Zeichen gebrau-chet, als die Poesie; jene nehmlich Figuren und Farben in demRaume, diese aber artikulirte Töne in der Zeit; wenn unstrei-tig die Zeichen ein bequemes Verhältniß zu dem Bezeichnetenhaben müssen: So können neben einander geordnete Zeichen,auch nur Gegenstände, die neben einander, oder deren Theile