lieber die Grenzen der Mahlerey »nd Poesie. 4t>6
kommen bestätiget fände, oder wenn es nicht vielmehr die Prarisdes Homers selbst wäre, die mich darauf gebracht hätte. Nuraus diesen Grundsätzen läßt sich die grosse Manier des Griechenbestimmen und erklären, so wie der entgegen gesetzten Manierso vieler neuern Dichter ihr Recht ertheilen, die in einem Stückemit dem Mahler wettciscrn wollen, in welchem sie nothwendigvon ihm überwunden werden müssen.
Ich finde, Homer mahlet nichts als fortschreitende Handlun-gen, und alle Körper, alle einzelne Dinge mahlet er nur durchihren Antheil an diesen Handlungen, gemeiniglich n»r 'mit Ei-nem Zuge. Was Wunder also, daß der Mahler, da wo Ho-mer mahlet, wenig oder nichts für sich zu thun siehet, nnd daßseine Erndtc nur da ist, wo die Geschichte eine Menge schönerKörper, in schönen Stellungen, in einem der Kunst vorlhcil-haftcm Raume zusammenbringt, der Dichter selbst mag dieseKörper, diese Stellungen, diesen Raum so wenig mahlen, alser will? Man gehe die ganze Folge der Gemählde, wie sieEaylus aus ihm vorschlägt, Stück vor Stück durch, und manwird in jedem den Beweis von dieser Anmerkung finden.
Ich lasse also hier den Grafen, der den Farbcnstcin desMahlers zum Probiersteine des Dichters machen will, um dieManier des Homers näher zu erklären. .
Für Ein Ding, sage ich, hat Homer gemeiniglich nur Ei-nen Zug. Ein Schiff ist ihm bald das schwarze Schiff, balddas hohle Schiff, bald das schnelle Schiff, höchstens das wohl-bcrudcrte schwarze Schiff. Weiter läßt er sich in die Mablcrcydes Schiffes nicht ein. Aber wohl das Schiffen, das Abfahren,das Anlanden des Schiffes, macht er zu einem ausführlichenGemählde, zu einem Gemählde, aus welchem der Mahler fünf,sechs besondere Gemählde machen müßte, wenn er es ganz aufseine Leinwand bringen wollte.
Zwingen den Homer ja besondere Umstände, unsern Blickans einen einzeln körperlichen Gegenstand länger zu heften: sowird dem ohngcachtct kein Gemählde daraus, dem der Mahlermit dem Pinsel folgen könnte; sondern er weis durch unzähligeKunstgriffe diese» einzeln Gegenstand in eine Folge von Augen-blicken zu setzen, in deren jedem er anders erscheinet, und inLeMgS Wette VI. zg