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Laokoo».
spreche es der Rede als dem Mittel der Poesie ab, weil derglei-chen wörtlichen Schilderungen der Körper das Täuschende gebricht,worauf die Poesie vornehmlich gehet; und dieses Täuschende, sageich, muß ihnen darum gebrechen, weil das Cocristircndc des Kör-pers mit dem Consccutiven der Rede dabey in Collision kömmt,und indem jenes in dieses aufgelöset wird, uns die Zergliederungdes Ganzen in seine Theile zwar erleichtert, aber die endlicheWicdcrzusanmiensctzung dieser Theile in das Ganze ungcmcinschwer, nnd nicht selten unmöglich gemacht wird.
Ucbcrall, wo es daher auf das Täuschende nicht ankömmt,wo man nur mit dem Bcrstandc seiner Leser zu thun hat, undnur auf deutliche und so viel möglich vollständige Begriffe ge-het: können diese aus der Poesie ausgeschlossene Schilderungender Körper gar wohl Platz haben, und nicht allein der Pro-saist, sondern auch der dogmatische Dichter (denn da wo er dog-matisirct, ist er kein Dichter), können sich ihrer mit vielemNutzen bedienen. So schildert z. V. Birgil in seinem Gedichtevom Landbaue eine zur Zucht tüchtige Kuh:
— — — Ojitim!» toi'voe
Voima vovi», oui tui^ie on^iut, eui plurlma cervlx,I5t ci'uiiiin tenus a inento paleai-ia penilent.1'iim luii!;» iiullus lateri iiiollus: mnn!:» inagiia:pcs ellum, A esinuiis luilu.' kill oo»iil>>is auies.^Xee iuil»l ilituliee.it inaeulis iusiAius -.^ allio,^,ut jiiga lloti:>cl!>»8 iiitoclum^ue ul'nera eoi'iiu,I^t saeiein tauro ^roj)ioi'i (suu.^ue aidua tot»,^t ^iinlieiis iiii!» verilt vel'I!:;!:» caucla.Oder ein schönes Füllen:
— — — — III! mdu» oeivix.^lAiilum^ne c:>nut, llievis iilvus, »vetakiue tei'A»;I.^xuriiü^ne Iviü« niiiiuul'lli» ^>l>elus <^.'e. c
Denn wer sieht nicht, daß dem Dichter hier mehr an der Aus- -cinandcrsctzung der Theile, als an dem Ganzen gelegen gewesen?Er will uns die Kennzeichen eines schönen Füllens, einer tüch-tigen Kuh zuzählen, um uns in den Stand zu setzen, nach dem
r) «eorg. Mi, III. v. 51 ck' 79.