Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
479
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lieber die Grenzen der Mahlerey und Poesie. 479

scn, wenn er empfindet, welche gute Wirkung sie an wenigenschicklichen Stellen haben kann?

Des Dichters sowohl als des Mahlers eigentliche Rechtferti-gung hierüber, will ich aber nicht aus dem vorangcschicktcn Gleich-nisse von zwey freundschaftlichen Nachbarn hergeleitet wissen. Einblosses Glcichniß beweiset und rechtfertiget nichts. Sondern die-ses muß sie rechtfertigen: so wie dort bey dem Mahler die zweyverschicdncn Augenblicke so nahe und unmittelbar an einandergrenzen, daß sie ohne Anstoß für einen einzigen gelten können;so folgen auch hier bey dem Dichter die mchrcrn Züge für dieverschicdncn Theile und Eigenschaften im Raume in einer sol-chen gcdrcngten Kürze so schnell aufeinander, daß wir sie alleauf einmal zu hören glauben.

Und hierin, sage ich, kömmt dem Homer seine vortrefflicheSprache ungcmcin zu Statten. Sie läßt ihm nicht allein allemögliche Freyheit in Häuffung und Zusammensetzung der Bey-wörter, sondern sie hat auch sür diese gehäufte Beywörter eineso glückliche Ordnung, daß der nachthciligcn Suspension ihrerBeziehung dadurch abgcholffen wird. An einer oder mehrerendieser Bequemlichkeiten schlt es den neuern Sprachen durch-gängig. Diejenigen, als die Französische, welche z. E. jenesX.oc^i.7ri_>)>,« x^>x^,«, oxT'Llxv^i.oc umschreiben müssen!

die runden Räder, welche von Erzt waren und acht Speichenhatten," drücken den Sinn aus, aber vernichten das Gemählde.Gleichwohl ist der Sinn bier nichts, und das Gemählde alles;und jener ohne dieses macht den lebhaftesten Dichter zum lang-weiligsten Schwäzcr. Ein Schicksal, das den guten Homer un-ter der Feder der gewissenhaften Frau Dacicr oft bclroffcn hat.Unsere deutsche Sprache hingegen kann zwar die HomerischenBeywörter meistens in eben so kurze gleichgcltendc Beywörterverwandeln, aber die vorteilhafte Ordnung derselben kann sieder Griechischen nicht nachmachen. Wir sagen zwardie run-den, ehernen, achtspcichigtcn" aberRäder" schleppthinten nach. Wer empfindet nicht, daß drey verschicdnc Prä-dikate, ehe wir das Subject erfahren, nur ein schwankes ver-wirrtes Bild machen können? Der Grieche verbindet das Sub-ject gleich mit dem crstcn Prädicatc, und läßt dic andcrn nach-