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6 (1839)
Entstehung
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Laokoon .

folgen; er sagt:runde Räder, eherne, achtspcichigtc." Sowissen wir mit eins wovon er redet, lind werden, der natürli-chen Ordnung des Denkens gemäß, erst mit dem Dinge, unddann mit seine» Zufälligkeiten bekannt. Diesen Vortheil hat»nscrc Sprache nicht. Oder soll ich sagen, sie hat ihn, undkann ihn nur selten ohne Zweydeutigkeit nutzen? VcydcS isteins. Denn wenn wir Beywörter hintcnnach setzen wollen, somüssen sie im ktutu alitnlutn stehen; wir müssen sagen: rundeRäder, ehern und achlspcichigt. Allein in diesem tww kommenunsere Adjectiva völlig mit den Advcrbiis übcrcin, und müssen,wenn man sie als solche zu dem nächsten Zeitworte, das vondem Dinge prädiciret wird, ziehet, nicht selten einen ganz fal-schen, allezeit aber einen sehr schielenden Sinn verursachen.

Doch ich halte mich bey Kleinigkeiten auf, und scheine dasSchild vergessen zu wollen; das Schild des Achilles; dieses be-rühmte Gemählde, in dessen Rücksicht vornehmlich, Homer vorAlters als ein Lehrer der Mahlereybetrachtet wurde. EinSchild, wird man sagen, ist doch wohl ein einzelner körperlicherGegenstand, dessen Beschreibung nach seinen Theilen neben einan-der, dem Dichter nicht vergönnet seyn soll? Und dieses Schildhat Homer , in mehr als hundert prächtigen Versen, nach sei-ner Materie, nach seiner Form, nach allen Figuren, welche dieungeheuere Fläche desselben füllten, so umständlich, so genaubeschrieben, daß es neuern Künstlern nicht schwer gefallen, einein allen Stücken übereinstimmende Zeichnung darnach zu machen.

Ich antworte auf diesen besondern Einwurf, daß ich be-reits darauf geantwortet habe. Homer mahlet nehmlich dasSchild nicht als ein fertiges vollendetes, sondern als ein wer-dendes Schild. Er hat also auch hier sich des gepriesenenKunstgriffes bedienet, das Eocnstircndc seines Vorwurfs in einConsccutivcs zu verwandeln, und dadurch aus der langweiligenMablcrcy eines Körpers, das lebendige Gemählde einer Hand-lung zn machen. Wir sehen nicht das Schild, sondern dengöttlichen Meister, wie er das Schild verfertiget. Er tritt mitHammer und Zange vor seinen Amdoß, und nachdem er die

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