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6 (1839)
Entstehung
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481
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Ueber die Grenze» der Mahlerey und Poesie.

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Platten aus dem gröbsten geschmiedet, schwellen die Bilder, dieer zu dessen Auszicrung bestimmet, vor nnscrn Augen, eines»ach dem andern, unter seinen feinern Schlagen aus dem Erztehervor. Eher verlieren wir ihn nicht wieder aus dem Gesichte,bis alles fertig ist. Nun ist es fertig, und wir erstaunen überdas Werk, aber mit dem gläubigen Erstaunen eines Augcnzcu-gens, der es machen sehen.

Dieses läßt sich von dem Schilde des Acneas beym Virgil nicht sagen. Der römische Dichter empfand entweder die Fein-heit seines Musters hier nicht, oder die Dinge, die er auf seinSchild bringen wollte, schienen ihm von der Art zu seyn, daßsie die Ausführung vor unsern Augen nicht wohl verstatteten.Es waren Prophezeyungen, von welchen es freylich unschicklichgewesen wäre, wenn sie der Gott in unserer Gegenwart ebenso deutlich geäußert hätte, als sie der Dichter hernach ausleget.Prophcjeyungen, als Prophezeiungen, verlangen eine dunkelereSprache, in welche die eigentlichen Namen der Personen ausder Zukunft, die sie betreffen, nicht passen. Gleichwohl lag andiesen wahrhaften Namen, allem Ansehen nach, dem Dichterlind Hofmanne hier das meiste.« Wenn ihn aber dieses cnt-

e) Ich finde, daß Servius dem Virgil eine andere Entschuldigung leihet.Denn auch Servius hat den Unterschied, der zwischen beyden Schilden ist,

bemerkt: inlervst li>I>!i' Iiunc Homeri l'Ivnuum: iuie enim sjnxul!«,

>I»m kiunt narrsntui; Iiic vor» perkvclo onere »osviiiiliir: nsm L lue »rm»Iiriu» ncciM ^V<!ileaü, <i»!U» speclar,;!; U«i N'itXluüni omiii» ilüri-iUs, lunt,sio a 'r/Ix-Nllv <I«teru»t>ir All ^kliillvm ( V>i v. KZS. Iw. Vlll. ^envi>>>)

Und warum dieses? Darum, meinet Servius, weil auf dem Schilde desAcneas , nicht bloß die wenigen Begebenheiten, die der Dichter anführet, sondern,

genu« omne kuturs

Ltirnis ^Vseüiiio, nuxnittaciue in orilins I>eIIk

abgebildet waren. Wie wäre es also möglich gewesen, daß mit eben der Ge-schwindigkeit, in welcher Vulkan das Schild arbeiten mußte, der Dichter dieganze lange Reihe von Nachkomme» hatte nahmhast machen, und alle vonihnen nach der Ordnung geführte Kriege hatte erwähnen können? Dieses istder Beistand der etwas dunkeln Worte des Scrvius: opportune <?^o vi»ßilius, «zu!» non viUi-tur fimul <k° »»rrtUionis cvlvritss poluitie evnnecli,«k? onus lilin v«-Ioeit»r oxpeiliri, ut kk verkum potsvi »l!ourr»re. Da Bir-gil nur etwas weniges von dem »VN snürrsiiiie texto ei^pet beybringe»konnte, so konnte er es nicht während der Arbeit des Vulkanns selbst thun;sonder» er mußte es »ersparen, bis alles fertig war. Ich wünschte für denLessiiigs Werks vi, ZI