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6 (1839)
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Laokoon .

gute Sache, Dinge behaupten, die eben so unrichtig sind, alswenig sie zur Rechtfertigung des Dichters beytragen.

Um dem Haupteinwurfe zu begegnen, daß Homer das Schildmit einer Menge Figuren anfülle, die auf dem Umfange dessel-ben unmöglich Raum haben könnten, unternahm Boivin, esmit Bemerkung der erforderlichen Maasse, zeichnen zu lassen.Sein Einsall mit den verschiedenen concentrischcn Zirkeln ist sehrsinnreich, obschon die Worte des Dichters nicht den geringstenAnlaß dazu geben, auch sich sonst keine Spur findet, daß dieAlten auf diese Art abgetheilte Schilder gehabt haben. Da esHomer selbst <^«xo? irocvr-oo'L <5LF«i6«X,^x^ov, ein aus allenSeiten künstlich ausgearbeitetes Schild nennet, so würde ichlieber, um mehr Raum auszusparen, die concave Fläche mitzu Hülfe genommen haben; denn es ist bekannt, daß die altenKünstler diese nicht leer liessen, wie das Schild der Minervavom Phidias beweiset.-- Doch nicht genug, daß sich Boivindieses Vortheils nicht bedienen wollte; er vermehrte auch ohneNoth die Vorstellungen selbst, denen er ans dem sonach um dieHclfte verringerten Raume Platz verschaffen mußte, indem erdas, was bey dem Dichter offenbar nur ein einziges Bild ist,in zwey bis drey besondere Bilder zertheilte. Ich weis wohl,was ihn dazu bewog; aber es hätte ihn nicht bewegen sollen:sondern, anstatt daß er sich bemühte, den Forderungen seinerGegner eine Genüge zu leisten, hätte er ihnen zeigen sollen,daß ihre Forderungen unrechtmäßig wären.

Ich werde mich an einem Beyspiele faßlicher erklären kön-nen. Wenn Homer von der einen Stadt sagt:ü

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a) Scuw Hu», i» quo .^mit^onum proeUum ca:I»vU iiilumeleeittsnmditu pitriniv; Hn»lleiu couc.lv» pitrle Ueorum ck^ lZiZsnttuu tlimieillioiiem.l>Iiiiili» lili. XXXVI. 8e<!>. 4. n. L'Iit. ll-inl.

ü) INstl. 2. v. 497-508,