Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
496
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496 Lackoon.

chcn Anblick der Schönheit begleitet? Wenn der Dichter weis,ans welchen Verhältnissen eine schöne Gestalt entspringet, wissenwir es darum auch? Und wenn wir es auch wüßten, läßt eruns hier diese Verhältnisse sehen? Oder erleichtert er uns auchnur im geringsten die Mühe, uns ihrer auf eine lebhafte an-schauende Art zu erinnern? Eine Stirn, in die gehörigenSchranken geschlossen, la fronte,

( I>e I» l>>!>/.ic> j'iiii.i eon güista met.i;eine Nase, an welcher selbst der Neid nichts zu bessern findet,

lülttz non tiova I'invillia, ovo I'emeniZe;eine Hand, etwas länglich und schmal in ihrer Breite,

IiUNAlioita slczusnlo, A «11 IsiAlioTiZa k»NA»5ti>:was für ein Bild geben diese allgemeine Formeln? In demMunde eines Zcichcnmeistcrs, der seine Schüler auf die Schön-heiten des akademischen Modells aufmerksam machen will, möch-te» sie noch etwas sagen; denn ein Blick auf dieses Modell,und sie sehen die gehörigen Schranken der fröhlichen Stirne,sie sehen den schönsten Schnitt der Nase, die schmale Breiteder niedlichen Hand. Aber bey dem Dichter sehe ich nichts,und empfinde mit Verdruß die Vcrgcblichkeit meiner besten An-strengung, etwas sehen zu wollen.

Zn diesem Punkte, in welchem Virgil dem Homer durchNichsthun nachahmen können, ist auch Virgil ziemlich glücklichgewesen. Auch seine Dido ist ihm weiter nichts als nulelier-rima viäo. Wenn er ja umständlicher etwas an ihr beschrei-bet, so ist es ihr reicher Putz, ihr prächtiger Aufzug:

l'ana'em ^inAiolUtur

8nlonii>in zneto clilam^äem eireumllat.'t Ilmlio:

t!ui pliaretra ex auro, ciines voclaniur in auium,

^uiea pui^uroam lulineetit llliula vettern, üWollte man darum auf ihn anwenden, was jener alte Künst-ler zu einem Lehrlinge sagte, der eine sehr geschmückte Helenagemahlt hatte,da du sie nicht schön mahlen können, hast dusie reich gemahlt:" so würde Virgil antworten,es liegt nichtan mir, daß ich sie nicht schön mahlen können; der Tadel

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