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6 (1839)
Entstehung
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Laokoon .

Augen machen, kömmt nicht daher, daß sie schwarz und feurigsind, sondern daher, daß sie,

l^ivloli ü i'iAusi'dar, ü mover parcln,mit Holdseligkeit um sich blicken, und sich langsam drehen; daßAmor sie umflattert und seinen ganzen Köcher aus ihnen ab»schießt. Ihr Mund entzücket, nicht weil von eigenthümlichemZinnober bedeckte Lippe» zwey Reihen auserlesener Perlen ver-schlicsscn; sondern weil hier das liebliche Lächeln gebildet wird,welches, für sich schon, ein Paradies auf Erden cröfnetz weiler es ist, aus dem die freundlichen Worte tönen, die jedesrauhe Herz erweichen. Zhr Busen bezaubert, weniger weil Milchund Hclfcnbcin und Acpfct, uns seine Weisst und niedliche Fi-gur vorbilden, als vielmehr weil wir ihn sanft auf und niederwallen sehen, wie die Wellen am äussersten Rande des Ufers,wenn ein spielender Zcphyr die See bestreiket:

Duo pomc acei-Iie, v pur cl'.-tvm'io kstto,

VonAouo o van, como onila al pi'Iino mai-A«,

(^uimclo piaoovolo aura il mar comliatte.Zch bin versichert, daß lauter solche Züge des Rciyes in eineoder zwey Stanzen zusammen gedrengct, weit mehr thun wür-den, als die füufc alle, in welche sie Ariost zerstreuet undmit kalten Zügen der schönen Form, viel zu gelehrt für unsereEmpfindungen, durchflochtcn hat.

Selbst Anakreon wollte lieber in die anscheinende Unschick-lichkeit verfallen, eine Unthulichkcit von dem Mahler zu verlan-gen, als das Bild seines Mädchens nicht mit Reiß beleben.

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Zhr sanftes Kinn, befiehlt er dem Künstcr, ihren marmornenNacken laß alle Grazien umflattern! Wie das? Nach dem ge-nauesten Wortvcrstandc? Der ist keiner mahlerischen Ausführungfähig. Der Mahler konnte dem Kinne die schönste Rundung,das schönste Grübchen, ^moris digitulo improMim, (denn dasxo-it, scheinet mir ein Grübchen andeuten zu wolle») er konntedem Halse die schönste Earnation geben; aber weiter konnte ernichts. Die Wendungen dieses schönen Halses, das Spiel der