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Ueber die Grenzen der Mahlerey und Poesie, 501
Muskeln, durch das jenes Grübchen bald mehr bald weniger sicht-bar wird, der eigentliche Reiß, war über seine Kräfte. Der Dich-ter sagte das Höchste, wodurch uns seine Kunst die Schönheitsinnlich zu machen vermag, damit auch der Mahler den höchstenAusdruck in seiner Kunst suchen möge. Ei» neues Beyspiel zuder obigen Anmerkung, daß der Dichter, auch wenn er vonKunstwerken redet, dennoch nicht verbunden ist, sich mit seinerBeschreibung in den Schranken der Kunst zu halten.
XXII.
Zenxis mahlte eine Helena, und hatte das Herz, jene be-rühmte Zeilen des Homers, in welchen die entzückten Greise ihreEmpfindung bekennen, darunter zu setzen. Nie sind Mahlereyund Poesie in einen gleichem Wettstreit gezogen worden. DerSieg blieb unentschieden, und beyde verdiente» gckrönct zu werden.
Denn so wie der weise Dichter uns die Schönheit, die er»ach ihren Bestandtheilen nicht schildern zu können suhlte, blosin ihrer Wirkung zeigte: so zeigte der nicht minder weise Mah-ler uns die Schöiiheit nach nichts als ihren Bestandtheilen,und hielt es seiner Kunst für unanständig, zu irgend einem an-dern Hülfsmittel Zuflucht zu nehmen. Sein Gemählde bestandaus der einzige» Figur der Hclcua, die nackend da stand.Denn es ist wahrscheinlich, daß es eben die Helena war, welcheer für die zu Crotona mahlte. »
Man vergleiche hiermit, Wundcrshalbcr, das Gemähldewelches Eaylus dem neuern Künstler aus jenen Zeilen des Ho-mers vorzcichiict: „Helena, mit cmcin wcisscn Schlcycr bedeckt,„erscheinet mitten untcr vcrschicdcncn alten Männern, in deren„Zahl sich auch Priamus befindet, der an den Zeichen seiner„königlichen Würde zu erkennen ist. Der Artist muß sich be-sonders angelegen seyn lassen, uns den Triumph der Schön-heit in den gierigen Blicken und i» alle» dc» Aeusserungen„einer staunenden Bewunderung auf den Gesichtern dieser kal-„tcn Grcisc, empfinden zu lassen. Die Scene ist über cincm von„dcn Thoren der Stadt. Die Vertiefung des Gemähldes kann
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