Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
503
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lieber die Grenze» der Mahlerey und Poesie. 603

verschlcycrte Figur wahrnehme, die sie brünstig angaffe». Washat dieses Ding von der Helena ? Ihren wcisscn Schlcycr, undetwas von ihrem proportionirtcn Umrisse, so weit Umriß unterGewändern sichtbar werden kann. Doch vielleicht war es auchdes Grafen Meinung nicht, daß ihr Gesicht verdeckt sey» sollte,und er nennet den Schlcycr blos als ein Stuck ihres Anzugcs.Ist dicscs (seine Worte sind einer solchen Auslegung zwar nichtwohl fähig: Ilolonv emivertu tl'ui, voilo Iil-ine) so entstehet eineandere Verwunderung bey mir: er empfiehlt dem Artisten sosorgfältig den Ausdruck auf dcn Gesichtcrn der Alten; nur überdie Schönheit in dem Gesichte der Helena verliert er kein Wort.Diese sittsame Schönheit, im Auge dcn fcuchtcn Schmnncr ei-ner rcucndcn Thränc, furchtsam sich nähernd Wic? Zst diehöchste Schönheit unsern Künstlern so etwas gcläuffigcs, daßsie auch nicht daran erinnert zu werden brauchen? Oder istAusdruck mehr als Schönheit? Und sind wir auch in Gcmähl-den schon gewohnt, so wie auf der Bühne, die häßlichste Schau-spielerin für eine entzückende Prinzessin gelten zu lassen, wcnnihr Prinz nur recht warme Liebe gegen sie zu empfinden äusscrt?

Zn Wahrheit; das Gemählde des Caylus würde sich gegendas Gemählde des Zcuxis, wic Pantomime zur crhabcnstcnPoesie verhalten.

Homer ward vor Alters ohnstrcitig fleißiger gelesen, alsitzt. Dennoch findet man sogar vieler Gemählde nicht erwäh-net, welche die alte» Künstler aus ihm gezogen hätten, i Nurden Fingerzeig dcs Dichtcrs auf bcsondcrc körperliche Schönhei-ten, scheinen sie fleißig genutzt zu haben; diese mahlten sie;und in diesen Gegenständen fühlten sie wohl, war es ihnenallem vergönnet, mit dem Dichter wettcifcrn zu wollen. Ausserder Helena , hatte Zcuris auch die Pcnclopc gemahlt; und dcsApcllcs Diana war die Homerische in Begleitung ihrer Nym-phen. Bey dieser Gelegenheit will ich criimern, daß die Stelledes Plinius, i» welcher von der letztem die Rede ist, einerVerbesserung bedarf. Handlungen aber aus dem Homer zu

S) r»I»ieii vi>>Iio»>. kr-v. I.i>>. II. eap. 6. ,,. 3tS.

c) Plinius sagt von dem Apcllcs: (i.ii-r. XXXV. lvcl. 3K. l>. 698.t)l>u. u»r>>.) t'vcil <T viiumiu lillüisicinu'luw virgulUM cliol» mixliim: