Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
514
Einzelbild herunterladen
 

514

Laokoo»,

er auch selbst die Häßlichkeit der Formen nicht mit zu den miß-fälligen Gegenständen rechnen wollen, die in der Nachahmunggefallen können. Diese Beyspiele sind, rcisscndc Thiere undLeichname. Rcisscndc Thiere erregen Schrecken, wenn sie auchnicht häßlich sind; und dicscs Schrecken, nicht ihre Häßlichkeit,ist cS, was durch die Nachahmung in angenehme Empfindungaufgelöset wird. So auch mit den Leichnamen; das schärfereGefühl des Mitleids, die schreckliche Erinnerung an unsere ei-gene Vernichtung ist es, welche uns einen Leichnam in derNatur zu einem widrigen Gegenstände macht; in der Nachah-mung aber verlieret jenes Mitleid, durch die Ueberzeugung desBetrugs, das Schneidende, und von dieser fatalen Erinnerungkann uns ein Zusatz von schmeichelhaften Umständen entwedergänzlich abziehen, oder sich so unzertrennlich mit ihr vereinen,daß wir mehr wünschcns würdig es als schreckliches darinn zu be-merken glauben.

Da also die Häßlichkeit der Formen, weil die Empfindung,welche sie erregt, unangenehm, und doch nicht von derjenigenArt unangenehmer Empfindungen ist, welche sich durch die Nach-ahmung in angenehme verwandeln, an und vor sich selbst keinNorwurf der Mahlerey, als schöner Kunst, seyn kann: so kämees noch darauf an, ob sie ihr, nicht eben so wohl wie derPoesie, als Ingrediens, um andere Empfindungen zu verstär-ken, nützlich seyn könne.

Darf die Mahlerey, zu Erreichung des Lächerlichen undSchrecklichen, sich häßlicher Formen bedienen?

Zch will es nicht wagen, so grade zu, mit Nein hieraufzu antworten. Es ist unleugbar, daß unschädliche Häßlichkeitauch in der Mahlerey lächerlich werden kann; besonders wenneine Affcctation nach Rcitz und Ansehen damit verbunden wird.Es ist eben so unstreitig, daß schädliche Häßlichkeit, so wie inder Natur, also auch im Gemählde Schrecken erwecket; und daßjenes Lächerliche und dicscs Schreckliche, welches schon vor sichvermischte Empfindungen sind, durch die Nachahmung einenneuen Grad von Anzüglichkeit und Vergnügen erlangen.

Zch muß aber zu bedenken geben, daß dcmohngcachtct sichdie Mahlerey hier nicht völlig mit der Poesie in gleichem