Ueber die Grenzen der Mahlerey und Poesie.
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chcm giebt, zu dem der Weg dem Dichter fast einzig und alleindurch das Eckclhaftc offen stehet. Cs ist das Schreckliche desHungers. Selbst im gemeinen Leben drucken wir die äussersteHungcrsnoth nicht anders als durch die Erzchlungcn aller derunnahrhastcn, ungesunden und besonders eckcln Dinge aus, mitwelchen der Magen befriediget werden müssen. Da die Nach-ahmung nichts von dem Gefühle des Hungers selbst in uns er-regen kann, so nimt sie zu einem andern unangcnchnicn Gefühleihre Zuflucht, welches wir im Falle des empfindlichsten Hungersfür das kleinere Uebel erkennen. Dieses sucht sie zu erregen,um uns aus der Unlust desselben schlicsscn zu lassen, wie starkjene Unlust seyn müsse, bey der wir die gegenwärtige gern ausder Acht schlagen würden. Ovid sagt von der Orcadc, welcheCeres an den Hunger abschickte:-
Ilaiie (lainLm) mooul ut vidit — —
— i-ekert inancl.iia äovc; paulumc^ue morsta,
l)uan^ui»m atioi-at longo, ^uan^ugm modo veneiat illuo,
Vita tamen tentill« tamom — — —Eine unnatürliche Uebertreibung! Der Anblick eines Hungrigen,und wenn es auch der Hunger selbst wäre, hat diese ansteckendeKraft nicht; Erbarmen, und Graul, und Eckcl, kann er empfin-den lassen, aber keinen Hunger. Diesen Gräul hat Ovid indem Gemählde der Famcs nicht gcsparct, und in dem Hungerdes Ercsichthons sind, sowohl bey ihm, als bey dem Kallima-chusk, die eckelhaftcn Züge die stärksten. Nachdem Ercsichthonalles aufgezehret, und auch der Opfcrkuh nicht verschonet hatte,die seine Mutter der Besta auffütterte, läßt ihn Kallimachusüber Pferde und Katzen herfallen, und auf den Strassen dieBrocken und schmutzigen Ueberbleibscl von fremden Tischen betteln:
/Zcov klpc»)/xv, ^«v xTPx^x ^«T'sjo,
R.«t «xst>^,ocpopov »c«l ?c>v ?rc>^x^i.^cc>v ^«01.',
«tX/o^ov, xT'px^^x A^pt« ^>.tX?c« —
T'o^' o ?u> jZcxo't^ci^ evl 'rotocsotcrl x«^7>^»^ii't^v ocxoX^ic; ?x x«t rxj?oX,oe Fal?ci^ —
i) IliiS. Mi. VIII. v. 8V!>.
/>-) Il>m> in veivrem v. Ill-ttS.