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Laokocu.
zuvor gekommen sey». Aber ich finde nichts dergleichen bey ihm;und wenn nunmchr mich etwas mißtrauisch in ihre Richtigkeitmachen könnte, so wurde es eben das seyn, daß meine Bcsorg-niß nicht cingctrosscn.
„Einige, sagt Herr Winkclmann, <- machen aus dieser Sta-„tue einen Discobolus, das ist, der mit dem Disco, oder mit„einer Scheibe von Metall, wirft, und dieses war die Mci-„nung des berühmten Herrn von Srosch in einem Schreiben„an mich, aber ohne genügsame Betrachtung des Standes,„worinn dergleichen Figur will gesetzt seyn. Denn derjenige,„welcher etwas werfen will, muß sich mit dem Leibe hinter-wärts zurückziehen, und indem der Wurf geschehen soll, liegt„die Kraft auf dem nächsten Schenkel, und das linke Bein ist„müßig: hier aber ist das Gegentheil. Die ganze Figur ist„vorwärts gcworffcn, und ruhet auf dem linken Schenkel,„und das rechte Bein ist hinterwärts aus das äusserste ausgc-„strcckct. Der rechte Arm ist neu, und man hat ihm in die„Hand ein Stück von einer Lanze gegeben; auf dem linken„Arme sieht man den Riem von dem Schilde, welchen er ge-halten hat. Betrachtet man, daß der Kops und die Augen„aufwcrts gerichtet sind, und daß die Figur sich mit dem„Schilde vor etwas, das von oben her kommt, zu verwahren„scheinet, so könnte man diese Statue mit mehrcrem Rechte„für eine Vorstellung eines Soldaten halten, welcher sich in„einem gefährlichen Stande besonders verdient gemacht hat:„den Fechtern in Schauspielen ist die Ehre einer Statue unter„den Griechen vermuthlich niemals wicdcrfahren: und dieses„Werk scheinet älter als die Einführung der Fechter unter den„Griechen zu seyn."
Man kann nicht richtiger urtheilen. Diese Statue ist ebenso wenig ein Fechter, als ein Discobolus; es ist wirklich dieVorstellung cincs Kriegers, der sich in einer solchen Stellungbey einer gefährlichen Gelegenheit hervorthat. Da Herr Win-kclmann aber dieses so glücklich errieth: wie konnte er hier ste-hen bleiben? Wic konnte ihm der Krieger nicht bcysallcn, der
«) Ecsch. der Knust Th. Il> S. 394.