Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
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4
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4 Hambur>iische Dramaturgie.

Besonders darf es der Schauspieler verlangen, daß manhierin» die größte Strenge und Unparthcylichkcit beobachte. DieRechtfertigung des Dichters kann jederzeit angetreten werden; seinWerk bleibt da, und kann uns immer wieder vor die Augen gelegtwerden. Aber die Kunst des Schauspielers ist in ihren Werken tran-sitorisch. Sein Gutes und Schlimmes rauschet gleich schnell vor-bey; und nicht selten ist die heutige Laune des Zuschauers mehrUrsache, als er selbst, warum das eine oder das andere einenlebhaften, Eindruck auf jenen gemacht hat.

Eine schöne Figur, eine bezaubernde Mine, ein sprechendesAuge, ein reißender Tritt, ein lieblicher Ton, eine melodischeStimme: sind Dinge, die sich nicht wohl mit Worten ausdrückenlassen. Doch sind es auch weder die einzigen noch größtenVollkommenheiten des Schauspielers. Schätzbare Gaben derNatur, zu seinem Berufe sehr nöthig, aber noch lange nichtseinen Beruf erfüllend! Er muß überall mit dem Dichter den-ken; er muß da, wo dem Dichter etwas Menschliches wieder-sahen ist, für ihn denken.

Man hat allen Grund, häufige Beyspiele hiervon sich vonunsern Schauspielern zu versprechen. Doch ich will die Er-wartung des Publikums nicht höher stimmen. Beide schadensich selbst: der zu viel verspricht, und der zu viel erwartet.

Heute geschieht die Eröffnung der Bühne. Sie wird vielentscheiden; sie muß aber nicht alles entscheiden sollen. Zn denersten Tagen werden sich die Urtheile ziemlich durchkreuzen.Es würde Mühe kosten, ein ruhiges Gehör zu erlangen.Das erste Blatt dieser Schrift soll daher nicht eher, als mitdem Anfange des künftigen Monats erscheinen.Hamburg , den 22 April, 1767.

Erstes Stück.Teil Istcn May, 1767.

Das Theater ist den 22stcn vorigen Monats mit demTrauerspiele, Olint und Sophronia, glücklich eröfnet worden.

Ohne Zweifel wollte man gern mit einem deutschen Originaleanfangen, welches hier noch den Reiß der Neuheit habe. Derinnere Werth dieses Stückes konnte auf eine solche Ehre

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