Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

Erster Band. 6

keinen Anspruch machen. Die Wahl wäre zu tadeln, wenn sichzeigen liesse, daß man eine viel bessere hätte treffen können.

Olint und Sophronia ist das- Werk eines jungen Dichters,und sein unvollendet hinterlassenes Werk. Eroncgk starb aller-dings für unsere Bühne zu früh; aber eigentlich gründet sichsein Ruhm mehr auf das, was er, nach dem Urtheile seinerFreunde, für dieselbe noch hätte leiste» können, als was er wirklichgeleistet hat. Und welcher dramatische Dichter, aus allen Zeitenund Nationen, hätte in seincm sechs und zwanzigsten Jahresterben können, ohne die Kritik über seine wahren Talente nichteben so zweifelhaft zu lassen?

Der Stoff ist die bekannte Episode beym Tasso. Einekleine rührende Erzehlung in ein rührendes Drama nmzuschaffcn,ist so leicht nicht. Zwar kostet es wenig Mühe, neue Ver-wickelungen zu erdenken, und einzelne Empfindungen m Scenenauszudehnen. Aber zu verhüten wissen, daß diese neue Ver-wickelungen weder das Interesse schwächen, noch der Wahrschein-lichkeit Eintrag thun; sich aus dem Gesichtspunkte des Erzchlcrsin den wahren Standort einer jeden Person versetzen können;die Leidenschaften, nicht beschreiben, sondern vor den Augendes Zuschauers entstehen, und ohne Sprung, in einer so illu-sorischen Stetigkeit wachsen zu lassen, daß dieser sympathisircnmuß, er mag wollen oder nicht: das ist es, was dazu nöthigist; was das Genie, ohne es zu wissen, ohne cS sich langwei-lig zu erklären, thut, und was der blos witzige Kopf nachzu-machen, vergebens sich martert.

Tasso scheinet, in seinem Olint und Sophronia, den Virgil,in seinem Nisus und Euryalus, vor Augen gehabt zu haben.So wie Virgil in diesen die Stärke der Freundschaft geschilderthatte, wollte Tasso in jenen die Stärke der Liebe schildern.Dort war es heldcnmüthigcr Diensteifer, der die Probe derFreundschaft veranlaßte: hier ist es die Religion, welche derLiebe Gelegenheit giebt, sich in aller ihrer Kraft zu zeigen. Aberdie Religion, welche bey dem Tasso nur das Mittel ist, wodurcher die Liebe so wirksam zeiget, ist in Eroncgks Bearbeitung dasHauptwerk geworden. Er wollte den Triumph dieser, in denTriumph jener veredeln. Gewiß, eine fromme Verbesserung