K Hamburgische Dramaturgie.
weiter aber auch nichts, als fromm! Denn sie hat ihn verlei-tet, was bey dem Tasso so simpel nnd natürlich, so wahr undmenschlich ist, so verwickelt und romanenhaft, so wunderbar undhimmlisch zu machen, daß nichts darüber!
Beym Tasso ist es ein Zauberer, ein Kerl, der weder Christnoch Mahomcdancr ist, sondern sich aus beiden Religionen eineneigenen Aberglauben znsammcngcsponnen hat, welcher dem Ala-din den Rath giebt, das wundcrthätigc Marienbild aus demTempel in die Moschee zu bringen. Warum machte Croncgkaus diesem Zauberer einen mahomcdanischen Priester? Wenndieser Priester in seiner Religion nicht eben so unwissend war,als es der Dichter zu seyn scheinet, so konnte er einen solchenRath unmöglich geben. Sie duldet durchaus keine Bilder inihren Moscheen. Croncgk verräth sich in mchrcrn Stücken, daßihm eine sehr unrichtige Vorstellung von dem mahomcdanischenGlauben bcygcwohnct. Der gröbste Fehler aber ist, daß ereine Religion überall des Polytheismus schuldig macht, die fastmehr als jede andere auf die Einheit Gottes dringet. DieMoschee heißt ihm „ein Sitz der falschen Götter," und denPriester selbst läßt er ausrufen:
„So wollt ihr.euch noch nicht mit Räch lind Straft rüsten,„Ihr Götter? Blitzt, vertilgt, das freche Volk der Christen!Der sorgsame Schauspieler hat in seiner Tracht das Costume,vom Scheitel bis zur Zehe, genau zu beobachten gesucht; under muß solche Ungereimtheiten sagen!
Beym Tasso kömmt das Marienbild aus der Moschee weg,ohne daß man eigentlich weiß, ob es von Menschenhänden ent-wendet worden, oder ob eine höhere Macht dabey im Spielegewesen. Croncgk macht den Olint zum Thäler. Zwar ver-wandelt er das Marienbild in „ein Bild des Herrn am Kreuz;"aber Bild ist Bild, und dieser armselige Aberglaube giebt demOlint eine sehr verächtliche Seite. Man kann ihm unmöglichwieder gut werden, daß er es wagen können, durch eine so kleineThat sein Volk au den Rand des Verderbens zu stellen. Wenner sich hernach frcywillig dazu bekennet: so ist es nichts mehrals Schuldigkeit, und keine Großmuth. Beym Tasso läßt ihnblos die Liebe diesen Schritt thun; er will Sophronicn retten,