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7 (1839)
Entstehung
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Hamburgische Tramatnrgic.

übcrtrist." Dieses letztere wird sie durch ihren Gehorsam, durchdie Aufopferung ihrer Liebe, durch die Gewalt, die sie über ihrHer; gewinnet. Wenn nun aber von allen diesen in demStücke nichts zu hören und zu sehen ist: was bleibt von ihrübrig, als, wie gesagt, das schwache verführerische Mädchen,das Tugend und Weisheit auf der Zunge, und Thorheit imHerzen hat?

Den St. Preur des Rousseau hat Herr Heufeld in einenSiegmund umgetauft. Der Name Siegmund schmecket bey unsziemlich nach dem Domestiquen. Zch wünschte, daß unsere dra-matischen Dichter auch in solchen Kleinigkeiten ein wenig gesuch-ter, und auf den Ton der großen Welt aufmerksamer seynwollten. St. Preur spielt schon bey dem Rousseau eine sehrabgeschmackte Figur.Sie nennen ihn alle, sagt der angeführteKunstrichter, den Philosophen. .Den Philosophen! Zch möchtewissen, was der junge Mensch in der ganzen Geschichte sprichtoder thut, dadurch er diesen Namen verdienet? In meinenAugen ist er der albernste Mensch von der Welt, der in allge-meinen Ausrufungen Vernunft und Weisheit bis in den Him-mel erhebt, und nicht den geringsten Funken davon besitzet.Zn seiner Liebe ist er abcnthcuerlich, schwülstig, ausgelassen,und in seinem übrigen Thun und Lassen findet sich nicht diegeringste Spur von Ueberlcgung. Er setzet das stolzeste Zutrauenin seine Vernunft, und ist dennoch nicht entschlossen genug,den kleinsten Schritt zu thun, ohne von seiner Schülerinn, odervon seinem Freunde an der Hand geführet zu werden." Aberwie tief ist der deutsche Siegmund noch unter diesem St. Preux!

Neuntes Stück.Den Wsien May, 1767.

Zn dem Romane hat St. Preux doch noch dann und wannGelegenheit, seinen aufgeklärten Verstand zu zeigen, und diethätige Rolle des rechtschaffenen Mannes zu spielen. Aber Sieg-mund iu der Komödie ist weiter nichts, als ein kleiner einge-bildeter Pedant, der aus seiner Schwachheit eine Tugend macht,und sich sehr beleidiget findet, daß man seinem zärtlichen Herz-chen nicht durchgängig will Gerechtigkeit wiedcrsahren lassen.