Erster Band. 39
der Pflicht lind Liebe, aufgeführet. (5s hat den Hrn. Hcufcldin Wien zum Verfasser, der »ns sagt, daß bereits zwey andereStücke von ihm, den Beyfall des dortigen Publikums erhaltenhätten. Zch kenne sie nicht; aber «ach dem gegenwärtigen z»urtheilen, müssen sie nicht ganz schlecht seyn.
Die Hauptzüge der Fabel uiid der größte Theil der Situa-tionen, sind aus der Neuen Hcloise des Rousseau entlehnet. Zchwünschte, daß Hr. Hcufcld, che cr zu Werke geschritten, dieBeurtheilung dieses Romans in den Briefen, die neueste Lit-teratur betreffend, (°) gelesen und studiert hätte. Er würde miteiner sicherern Einsicht in die Schönheiten seines Originals ge-arbeitet haben, und vielleicht in vielen Stücken glücklicher ge-wesen seyn.
Der Werth der Neuen Hcloise ist, von der Seite der Er-findung, sehr gering, und das Beste darinn ganz und gar kei-ner dramatischen Bearbeitung fähig. Die Situationen sindalltäglich oder unnatürlich, und die wenig guten so weit voneinander entfernt, daß sie sich, ohne Gewaltsamkeit, in denengen Raum eines Schauspiels von drey Auszügen nicht zwin-gen lassen. Die Geschichte konnte sich ans der Bühne unmög-lich so schlicsscn, wie sie sich in dem Romane nicht sowohlschließt, als verlieret. Der Liebhaber der Julie mußte hier glück-lich werden, und Hr. Heufcld läßt ihn glücklich werden. Erbekömmt seine Schülerinn. Aber hat Hr. Hcufcld auchüberlcgt, daß seine Julie nun gar nicht mehr die Zulicdes Rousscau ist? Doch Julie des Rousseau, oder nicht:wem liegt daran? Wenn sie nur sonst eine Person ist, dieintcrcßirct. Aber eben das ist sie nicht; sie ist nichts, als einekleine verliebte Närrinn, die manchmal artig genug schwatzet,wenn sich Hcrr Hcufcld auf eine schöne Stelle im Rousseaubesinnet. „Zulie, sagt der Kunstrichter, dessen Urtheils ich er-wähnet habe, spielt in der Geschichte eine zwcyfachc Rolle.Sie ist Anfangs ein schwaches und sogar etwas verführerischesMädchen, und wird zuletzt ein Frauenzimmer, das, als ei»Muster der Tugend, alle, die man jemals erdichtet hat, weit
(°) Theil X. S. 265. u. f. lBo» M. Mendelssohn, 1