Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
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Haiiiburgjsche Dramaturgie.

von Sylben des nehmlichen Zeitmaaßcs bestünden, dennoch niemit einerley Geschwindigkeit gesprochen werden. Denn da sie,weder in Absicht auf die Deutlichkeit und den Nachdruck, nochin Rücksicht auf den in dein ganzen Perioden herrschenden Affekt,von einerley Werth nnd Belang scmi können: so ist es derNatur gemäß, daß die Stimme die geringfügigen, schnell her«auSstößt, flüchtig und nachläßig darüber hinschlupft; auf denbeträchtlichern aber verweilet, sie dehnet und schleift, und jedesWort, und in jedem Worte jeden Buchstaben, uns zuzählet.Die Grade dieser Verschiedenheit sind unendlich; und ob sie sichschon durch keine künstliche Zeitthcilchcn bestimmen und gegeneinander abmessen lassen, so werden sie doch auch von dem un-gelehrtcstcn Ohre unterschieden, so wie von der ungclchrrcstcnZunge beobachtet, wenn die Rede aus einem durchdrungenenHerzen, und nicht blos aus einem fertigen Gedächtnisse fließet.Die Wirkung ist unglaublich, die dieses beständig abwechselndeMouvcmcnt der Stimme hat; und werden vollends alle Abände-rungen des Tones, nicht blos in Ansehung der Höhe und Tiefe,der Stärke und Schwäche, sondern auch des Rauhen undSanften, des Schneidenden und Runden, sogar des Holprichtenund Geschmeidigen, an den rechten Stellen, damit verbunden:so entstehet jene natürliche Musik, gegen die sich unfehlbar un-ser Herz eröfnct, weil es empfindet, daß sie aus dem Herzenentspringt, und die Kunst nur in so fern daran Antheil hat,als auch die Kunst zur Natur werden kann. Und in dieserMusik, sage ich, ist die Aktrice, von welcher ich spreche, ganzvortrefflich, und ihr niemand zu vergleichen, als Herr Eckhof,der aber, indem er die intensiven Acccnte auf einzelne Worte,worauf sie sich weniger befleißiget, noch hinzufüget, blos dadurchseiner Deklamation eine höhere Vollkommenheit zu geben imStande ist. Doch vielleicht hat sie auch diese in ihrer Gewalt;und ich urtheile blos so von ihr, weil ich sie noch in keinenRollen gesehen, in welchen sich das Rührende zum Pathetischenerhebet. Ich erwarte sie in dem Trauerspiele, und fahre indeßin der Geschichte unsers Theaters fort.

Den vierten Abend (Montags, den 27sten v. M.) wardein neues deutsches Original, betittelt Zulie, oder Wettstreit