erster Band.
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nicht zu unterscheiden weiß; wenn er nicht Geschmack, nicht Muthgenug hat, hier einen Ncbcnbcgriff wegzulassen, da statt der Me-tapher den eigentlichen Ausdruck zu setzen, dort eine Ellipsis zuergänzen oder anzubringen: so wird er uns alle Nachlässigkeitenseines Originals überliefert, nnd ihnen nichts als die Entschul-digung benommen haben, welche die Schwierigkeiten der Symmetrieund des Wohlklanges in der Grundsprache für sie machen.
Die Rolle der Mclanide ward von einer Aktrice gcspielet,die nach einer neunjährigen Entfernung vom Theater, aufsneue iu allen den Vollkommenheiten wieder erschien, die Kennernnd Nichtkenner, mit und ohne Einsicht, ehedem an ihr empfun-den und bewundert hatten. Madame Löwen verbindet mit demsilbernen Tone der sonorestcii lieblichsten Stimme, mit dem offen-sten, ruhigsten und gleichwohl ausdruckfähigsten Gesichte vonder Welt, das feinste schnellste Gefühl, die sicherste wärmsteEmpfindung, die sich, zwar nicht immer so lebhaft, als eSviele wünschen, doch allezeit mit Anstand und Würde äußert.Zn ihrer Deklamation accentuirt sie richtig, aber nicht merklich.Der gänzliche Mangel intensiver Acccnte verursacht Monotonie;aber ohne ihr diese vorwerfen zu können, weiß sie dem sparsa-mern Gebrauche derselben durch eine andere Feinheit zu Hülfezu kommen, von der, leider! sehr viele Akteurs ganz und garnichts wissen. Ich will mich erklären. Man weiß, was inder Musik das Mouvcmcnt heißt; nicht der Takt, sondern derGrad der Langsamkeit oder Schnelligkeit, mit welchen der Taktgespielt wird. Dieses Mouvement ist durch das ganze Stückeinförmig; in dem nehmlichen Maaße der Geschwindigkeit, inwelchem die erste Takte gcspielet worden, müssen sie alle, biszu den letzten, gespiclcr werden. Diese Einförmigkeit ist inder Musik nothwendig, weil Ein Stück nur einerley aus-drücken kann, und ohne dieselbe gar keine Verbindung ver-schiedener Instrumente und Stimmen möglich seyn würde. Mitder Deklamation hingegen ist es ganz anders. Wenn wir ei-nen Perioden von mehrcrn Gliedern, als ein besonderes musi-kalisches Stück annehmen, und die Glieder als die Takte desselbenbetrachten, so müssen diese Glieder, auch alsdenn, wenn sie voll-kommen gleicher Länge wären, und aus der nehmlichen Anzahl