Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
42
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Hamblirgischt Tnimalurgic.

vier lind zwanzig Stunden Zeit genug waren, dem Siegmundzu den zwey äußersten Narrheiten Gelegenheit zu schaffen, dieeinem Menschen in seinen Umstanden nur immer einfallen kön-nen? Die Gelegenheiten sind auch darnach; könnte der Verfas-ser antworten: dock das wird er wohl nicht. Sie möchten abernoch so natürlich hcrbcygcführct, noch so fein behandelt seyn:so würden darum die Narrheiten selbst, die wir ihn zu begehenim Begriffe sehen, ihre üble Wirkung auf unsere Zdee von demjungen stürmischen Schcinwcisen, nicht verlieren. Daß er schlechthandele, sehen wir: daß er gut handeln könne, hören wir nur,und nicht einmal in Beyspielen, sondern in den allgemeinstenschwankendsten Ausdrücken.

Die Härte, mit der Julien von ihrem Vater begegnet wird,da sie einen andern von ihm zum Gemahle nehmen soll, alsden ihr Herz gewählct hatte, wird beym Rousseau nur kaumberührt. Herr Hcufcld hatte den Muth, uns eine ganze Scenedavon zu zeigen. Ich liebe es, wenn ein junger Dichter etwaswagt. Er läßt den Vater, die Tochter zu Boden stoßen. Ichwar um die Ausführung dieser Aktion besorgt. Aber vergebens;unsere Schauspieler hatte» sie so wohl concertirct; es ward, vonSeiten des Vaters und der Tochter, so viel Anstand dabeybeobachtet, und dieser Anstand that der Wahrheit so wenig Ab-bruch, daß ich mir gestehen mußte, diesen Akteurs könne manso etwas anvertrauen, oder keinen. Herr Heufcld verlangt, daß,wenn Zulic von ihrer Mutter aufgehoben wird, sich in ihremGesichte Blut zeigen soll. Es kann ihm lieb seyn, daß diesesunterlassen worden. Die Pantomime muß nie bis zu demEckclhaftcn getrieben werden. Gut, wenn in solchen Fälle» dieerhitzte EinbilduiigSkrast Blut zu sehen glaubt; aber das Augemuß es nicht wirklich sehen.

Die darauf folgende Scene ist die hervorragendste des gan-zen Stückes. Sie gehört dem Rousseau . Ich weiß selbst nicht,welcher Unwille sich in die Empfindung des Pathetischen mischet,wenn wir einen Vater seine Tochter fußfällig um etwas bittensehen. Es beleidiget, es kränket uns, denjenigen so erniedrigetzu erblicken, dem die Natur so heilige Rechte übertragen hat.Dem Rousseau muß man diesen ausscrordentlichcn Hebel vcrzci-

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