Erster Band.
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hm; die Masse ist zu groß, die er in Bewegung setzen soll.Da keine Gründe bey Julien anschlagen wollen; da ihr Herzin der Verfassung ist, daß es sich durch die äußerste Strengein seinem Entschlüsse nur noch mehr befestigen würde: so konntesie nur durch die plötzliche Ucbcrraschung der unerwartesten Be-gegnung erschüttert, und in einer Art von Betäubung umgelen-ket werden. Die Geliebte sollte sich in die Tochter, verführeri-sche Zärtlichkeit.in blinden Gehorsam verwandeln; da Rousseau kein Mittel sahe, der Natur diese Veränderung abzugewinnen,so mußte er sich entschliesscn, ihr sie abzunö'thigen, oder, wennman will, abzustehlen. Auf keine andere Weise konnten wires Julien in der Folge vergeben, daß sie den inbrünstigstenLiebhaber dem kältesten Ehemanne aufgeopfert habe. Aber dadiese Aufopferung in der Komödie nicht erfolget; da es nichtdie Tochter, sondern der Vater ist, der endlich nachgicbt: hätteHerr Hcufcld die Wendung nicht ein wenig lindern sollen, durchdie Rousseau blos das Befremdliche jener Aufopferung rechtfer-tigen, und das Ungewöhnliche derselben vor dem Vorwürfe desUnnatürlichen in Sicherheit setzen wollte? — Doch Kritik, undkein Ende! Wenn Herr Heufcld das gethan hätte, so würdenwir um eine Scene gekommen seyn, die, wenn sie schon nicht sorecht in das Ganze passen will, doch sehr kräftig ist; er würdeuns ein hohes Licht in seiner Eopie vermahlt haben, von demman zwar nicht eigentlich weiß, wo es herkömmt, das aber einetreffliche Wirkung thut. Die Art, mit der Herr Eckhof dieseScene ausführte, die Aktion, mit der er einen Theil der grauenHaare vors Auge brachte, bey welchen er die Tochter beschwor;wären eS allein werth gewesen, eine kleine Unschicklichkeit zubegehen, die vielleicht niemanden, als dem kalten Kunstrichter,bey Zergliederung des Planes, merklich wird.
Das Nachspiel dieses Abends war, der Schatz; die Nachah-mung des Plautinschen Trinummus, in welcher der Verfasseralle die komischen Scenen seines Originals in einen Aufuig zuconccntrircn gesucht hat. Er ward sehr wohl gespielt- Die Ak-teurs alle wußten ihre Rollen mit der Fertigkeit, die zu demNiedrigkomischcn so nothwendig crfodcrt wird. Wenn ein halb-schicrigcr Einfall, eine Unbesonnenheit, ein Wortspiel, langsam