Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
45
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Erster Band.

Zehntes Stück.

Den 2ten Juuy, 17K7.

Das Stück des fünften Abends (Dienstags, den 28stcnApril,) war, das nnvcrmuthctc Hinderniß, oder das Hindernißohne Hinderniß, vom Destouches.

Wenn wir die Annalcs des französischen Theaters nachschla-gen, so finden wir, daß die lustigsten Stücke dieses Verfassers,gerade den allerwenigsten Beyfall gehabt haben. Weder dasgegenwärtige, noch der verborgne Schatz, noch das Gespenstmit der Trommel, noch der poetische Dorfjnnkcr, haben sichdarauf erhalten; und sind, selbst in ihrer Neuheit, nur wcnigc-mal aufgeführet worden. Es beruhet sehr viel auf dem Tone,in welchem sich ein Dichter ankündiget, oder in welchem er seinebesten Werke verfertiget. Man nimmt stillschweigend an, alsob er eine Verbindung dadurch eingehe, sich von diesem Toneniemals zu entfernen; und wenn er es thut, dünket man sichberechtiget, darüber zu stutzen. Man sucht den Verfasser in demVerfasser, und glaubt, etwas schlechtes zu finden, sobald mannicht das nehmliche findet. Destouches hatte in seinem vcrhey-ratheten Philosophen, in seinem Ruhmredigen, in seinem Ver-schwender, Muster eines feinern, hohem Komischen gegeben,als man vom Molicre, selbst in seinen ernsthaftesten Stücken,gewohnt war. Sogleich machten die Kunstrichtcr, die so gernklaßificircn, dieses zu seiner eigenthümlichen Sphäre; was beydem Poeten vielleicht nichts als zufällige Wahl war, erklärtensie für vorzüglichen Hang und herrschende Fähigkeit; was er ein-mal, zwcymal, nicht gewollt hatte, schien er ihnen nicht zu kön-nen: und als er es nunmehr wollte, was sieht Kunstrichtcrnähnlicher, als daß sie ihm lieber nicht Gerechtigkeit wiedcrfah-ren liessen, ehe sie ihr voreiliges Urtheil änderten? Ich willdamit nicht sagen, daß das Niedrigkomische des Destouchesmit dem Molierischcn von einerley Güte sey. Es ist wirklichum vieles steifer; der witzige Kopf ist mehr darinn zu spüren,als der getreue Mahler; seine Narren sind selten von den be-haglichen Narren, wie sie aus den Händen der Natur kommen,sondern mehrentheils von der hölzernen Gattung, wie sie die