Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
46
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Hainburgische Tramattirgie.

Kunst schnitzelt, uiid mit Affektation, mit verfehlter Lebensart,mit Pedanterie überladet; sei» Schulwitz, seine Masuren, sinddaher frostiger als lächerlich. Aber dem ohngcachtet, undnur dieses wollte ich sagen, sind seine lustigen Stücke amwahren Komischen so geringhaltig noch nicht, als sie ein ver-zärtelter Geschmack findet; sie haben Scenen mit unter, die unsaus Herzensgründe zu lachen machen, und die ihm allein einenansehnlichen Rang unter den komischen Dichtern versichern könnten.

Hierauf folgte ein neues Lustspiel in einem Auszüge, betit-telt, die neue Agncse.

Madame Gertruds spielte vor den Augen der Welt diefromme Spröde; aber insgeheim war sie die gefällige, feurigeFreundinn eines gewissen Bcrnard. Wie glücklich, o wie glück-lich machst du mich, Bernard! rief sie einst in der Entzückung,und ward von ihrer Tochter behorcht. Morgens darauf fragtdas liebe einfältige Mädchen: Aber, Mamma, wer ist denn derBcrnard, der die Leute glücklich macht? Die Mutter merktesich verrathen, faßte sich aber geschwind. Es ist der Heilige,meine Tochter, den ich mir kürzlich gewählt habe; einer vonden größten im Paradiese. Nicht lange, so ward die Tochtermit einem gewissen Hilar bekannt. Das gute Kind fand inseinem Umgänge recht viel Vergnügen; Mamma bekömmt Ver-dacht; Mamma bcschleicht das glückliche Paar; und da bekömmtMamma von dem Töchtcrchcn eben so schöne Seufzer zu hören,als das Töchtcrchcn jüngst von Mamma gehört hatte. DieMutter crgrimmt, überfällt sie, tobt. Nun, was denn, liebeMamma? sagt endlich das ruhige Mädchen. Sie haben sichden H. Bcrnard gewählt; und ich, ich mir den H. Hilar.Warum nicht? Dieses ist eincs von den lehrreichen Mär-chen, mit welchen das weise Alter des göttlichen Voltaire diejunge Welt beschenkte. Favart fand es gerade so erbaulich, alsdie Fabel zu einer komischen Oper seyn muß. Er sahe nichtsanstößiges darinn, als die Namen der Heiligen, und diesemAnstoße wußte er auszuweichen. Er machte aus MadameGertrudc eine platonische Weise, eine Anhängcrinn dcr Lehredes GabaliS; und der H. Bernard ward zu einem Svlphcn,dcr untcr dcm Namen und in dcr Gestalt eincs guten Bekann-