Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
49
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ersten Vorstellung saßen die Zuschauer noch mit auf dem Thea-ter; und ich hätte wohl ein altvätrischcs Gespenst in einem sogalanten Zirkel mögen erscheinen sehen. Erst bey den folgen-den Borstellungen ward dieser Unschicklichkeit abgeholfen; dieAkteurs machten sich ihre Bühne frey; und was damals nureine Ausnahme, zum Besten eines so ansscrordcntlichen Stückes,war, ist »ach der Zeit die beständige Einrichtung geworden.Aber vornehmlich nur für die Bühne in Paris ; für die, wiegesagt, Semiramis in diesem Stücke Epoche macht. Zn denProvinzen bleibet man noch häufig bey der alten Mode, undwill lieber aller Illusion, als dem Vorrechte entsagen, den Aay-rcn und Mcropcn auf die Schleppe treten zu können.

Eilftes Stück.Ten äten JumuS, 47K7.

Die Erscheinung eines Geistes war in einem französischenTrauerspiele eine so kühne Neuheit, und der Dichter, der siewagte, rechtfertiget sie mit so eignen Gründen, daß es sich derMühe lohnet, einen Augenblick dabey zu verweilen.

Man schrie und schrieb von allen Seiten, sagt der Herrvon Voltaire, daß man an Gespenster nicht mehr glaube, unddaß die Erscheinung der Todten, in den Augen einer erleuchtetenNation, nicht anders als kindisch seyn könne. Wie? versetzt erdagegen; das ganze Alterthum hätte diese Wunder geglaubt, undes sollte nicht vergönnt seyn, sich nach dem Alterthume zu rich-ten? Wie? unsere Religion hätte dergleichen ansserordcntliche Fü-gungen der Vorsicht gcheiliget, und es sollte lächerlich seyn, siezu erneuern?"

Diese Ansrusungcn, dünkt mich, sind rhetorischer, als gründ-lich. Vor allen Dingen wünschte ich, die Religion hier ausdem Spiele zu lassen. Zn Dingen des Geschmacks und derKritik, sind Gründe, aus ihr genommen, recht gut, seinen Geg-ner zum Stillschweigen zu bringen, aber nicht so recht tauglich,ihn zu überzeugen. Die Religion, als Religion, muß hier nichtsentscheiden sollenz nur als eine Art von Ueberlieferung des Al-terthums, gilt ihr Zeugniß nicht mehr und nicht weniger, als

LesNnzs Werke VII. 4