Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
51
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erster Band. Zl

dcrspruche stehen, sind so allgemein bekannt worden, sind mich demgemeinste» Manne immer und beständig so gegenwärtig, daß ihmalles, was damit streitet, nothwendig lächerlich nnd abgeschmacktvorkommen muß? Das kann es nicht hcisscn. Wir glauben itztkeine Gespenster, kann also nur so viel hcisscn: in dieser Sache,über dic sich fast cbcn so vicl dafür als darwidcr sagcn läßt,die nicht entschieden ist, und nicht entschieden wcrdcn kann, hatdie gegenwärtig herrschende Art zu denken den Gründen darwi-dcr das Ilcbcrgcwicht gegeben; einige wenige haben diese Arr zudenken, und viele wollen sie zu haben scheinen; diese machendas Geschrey und geben den Ton; der größte Haufe schweigtund verhält sich gleichgültig, und denkt bald so, bald anders,hört beym hellen Tage mit Vergnügen über die Gespenster spot-ten, und bey dunkler Nacht mit Grausen davon crzchlcn.

Aber in diesem Verstände keine Gespenster glauben, kannund darf den dramatischen Dichter im geringsten nicht abhalten,Gebrauch davon zn machen. Der Saamc, sie zu glauben, liegtin uns allen, und in dcncn am häusigstcn, sür dic cr vornehm-lich dichtet. Es kömmt nur auf scinc Kunst an, dicscn Saamcnzum Käumcn zu bringen; nur auf gewisse Handgriffe, den Grün-den für ihre Wirklichkeit in der Geschwindigkeit den Schwungzu gebe». Hat er diese iu seiner Gewalt, so mögen wir in ge-meinem Leben glauben, was wir wollen; im Theater müssenwir glauben, was Er will.

So ein Dichter ist Shakcspear, und Shakcspear fast einzigund allein. Vor scincm Gcspcnste im Hamlet richten sich dieHaare zu Berge, sie mögen ein gläubiges oder ungläubiges Ge-hirn bedecken. Der Herr von Voltaire that gar nicht wohl, sichauf dieses Gespenst zu berufen; es macht ihn und seinen Geistdes Ninus lächerlich.

Shakespears Gespenst kömmt wirklich aus jener Welt; sodünkt uns. Denn es kömmt zu der feierlichen Stunde, in derschaudernden Stille der Nacht, in der vollen Begleitung allerder düstern, gchcimnißvollcn Ncbenbcgriffc, wenn und mit wel-chen wir, von der Amme an, Gespenster zu erwarten nnd zudenken gewohnt sind. Aber Voltairens Geist ist auch nicht ein-mal zum Popanze gut, Kinder damit zu schrecken; es ist der

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