Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
57
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Erster Band.

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nicht genug darin» gcnährct; die ganze Verwickelung ist in demersten Akte sichtbar. Hicrnächst hat er ihnen zu viel Achnlich-kcit mit andern Stücken, und den besten Situationen fehltdie Neuheit. Frccport, meynen sie, hatte nicht den ge-ringsten Funken von Liebe gegen die Lindane empfinden müssen;seine gute That verliere dadurch alles Verdienst u. f. w.

Es ist an dieser Kritik manches nicht ganz ungcgründet; in-deß sind wir Deutschen es sehr wohl zufrieden, daß die Handlungnicht reicher und verwickelter ist. Die englische Manier in die-sem Punkte, zerstreuet und ermüdet uns; wir lieben einen ein-fältigen Plan, der sich auf einmal übersehen läßt. So wiedie Engländer die französischen Stücke mit Episoden erst voll-pfropfen müssen, wenn sie auf ihrer Bühne gefallen sollen; somüßten wir die englischen Stücke von ihren Episoden erst ent-laden, wenn wir unsere Bühne glücklich damit bereichern wollten.Ihre besten Lustspiele eines Congrcve und Wychcrlcy würdenuns, ohne diesen Aushau des allzu wollüstige» Wuchses, un-ausstehlich seyn. Mit ihren Tragödien werden wir noch eherfertig; diese sind zum Theil bey weiten so verworren nicht,als ihre Komödien, und verschiedene haben, ohne die geringsteVeränderung, bey uns Glück gemacht, welches ich von keinereinzigen ihrer Komödien zu sagen wüßte.

Auch die Italiener haben eine Ucbcrsctzung von der Schott-ländcrinn, die in dem erste» Theile der theatralischen Bibliothekdes Diodati stehet. Sie folgt dem Originale Schritt vor Schritt,so wie die deutsche; nur eine Scene zum Schlüsse hat ihr derItaliener mehr gegeben. Voltaire sagte, Frelon werde in derenglischen Urschrift am Ende bestraft; aber so verdient dieseBestrafung sey, so habe sie ihm doch dem Hauptinteresse zuschaden geschienen; er habe sie also weggelassen. Dem Italienerdünkte diese Entschuldigung nicht hinlänglich, und er ergänztedie Bestrafung des Frclons aus seinem Kopfe; denn die Ita-liener sind große Liebhaber der poetischen Gerechtigkeit.