Hamburgische Dr.iuialurgic.
hat man nicht alles zu behalten! Wo sich die Begebenheitenso drcngen, können schwerlich alle vorbereitet genug seyn. Wouns so vieles überrascht, wird uns leicht manches mehr be-fremden, als überraschen. „Warum muß sich z. E. der Tyranndem Rhamncs entdecken? Was zwingt den Antcnor, ihm seineVerbrechen zu offenbaren ? Fällt Zlus nicht gleichsam vom Him-mel? Ist die Gcmüthsändcrung des Rhamncs nicht viel zuschleunig? Bis auf den Augenblick, da er den Antcnor ersticht,nimmt er an den Verbrechen seines Herrn auf die entschloßcnstcWeise Theil z und wenn er einmal Reue zu empfinden geschie-nen, so hatte er sie doch sogleich wieder unterdrückt. Welchegeringfügige Ursachen giebt hicrnächst der Dichter nicht manch-mal den wichtigsten Dingen! So muß Polidor, wenn er ausder Schlacht kömmt, und sich wiederum in dem Grabmahleverbergen will, der Zclmire den Rücken zukehren, und der Dich-ter muß uns sorgfällig diesen kleinen Umstand einschärfen. Dennwenn Polidor anders ginge, wenn er der Prinzeß!» das Ge-sicht, anstatt den Rücken zuwendete: so würde sie ihn erkennen,und die folgende Scene, wo diese zärtliche Tochter unwissendihren Vater seinen Henkern überliefert, diese so vorstechende, aufalle Zuschauer so großen Eindruck machende Scene, fiele weg.Wäre es gleichwohl nicht weit natürlicher gewesen, wenn Po-lidor, indem er wicdcr in das Grabmahl flüchtet, die Zclmirebemerkt, ihr ein Wort zugcruffcn, odcr auch nur einen Winkgegeben hätte? Freylich wäre es so natürlicher gewesen, als daßdie ganzen letzten Akte sich nunmehr auf die Art, wie Polidorgeht, ob er seinen Rücken dahin odcr dorthin kchrct, gründenmüssen. Mit dem Billet des Azor hat es die nehmliche Be-wandtniß: brachte es der Soldat im zweyten Akte gleich mit,so wie cr cs hätte mitbringen sollen, so war der Tyrann ent-larvet, und das Stück halte ein Ende."
Die Ucbcrsctzung der Zclmire ist nur in Prosa. Aber werwird nicht lieber eine körnichtc, wohlklingende Prosa hörenwollen, als matte, gcradcbrcchtc Verse? Unter allen unsern gc-rcimtcn Ucbcrsctzungcn werden kaum ein halbes Dutzend seyn,die erträglich sind. Und daß man mich ja nicht bey dem Wortenchmc, sie-zu nennen! Ich würde eher wissen, wo ich aufhören,