Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
109
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Ersicr Band,

der die Ungnade der Elisabeth zuziehen, noch ibrcn LicbbaberhctMthcn wollen. Dieser Charakter würde sehr schön seyn, wenncr mehr Leben hätte, und wenn er zur Verwickelung etwas bey-trüge; aber hier vertritt sie blos; die Stelle eines Freundes. Dasist sür das Theater nicht hinlänglich."

Mich dünket, daß alles, was die Personen in dieser Tra-gödie sagen und thun, immer noch sehr schielend, verwirret undluibcsiimmct ist. Die Handlung muß deutlich, der Knoten ver-ständlich, und jede Gesinnung plan und natürlich seyn: das sinddie ersten, wesentlichsten Regeln. Aber was will Esser? Waswill Elisabeth? Worinn besteht das Verbrechen des Grafen?Ist cr schuldig, oder ist er fälschlich angeklagt? Wenn ihn dieKöniginn sür unschuldig hält, so muß sie sich seiner annehmen.Ist er aber schuldig: so ist es sehr unvernünftig, die Vertrautesage» zu lassen, daß cr nimmermehr um Gnade bitten werde,daß er viel zu stolz dazu scv. Dieser Stolz schickt sich sehr wohlfür cincn tugendhaften unschuldigen Helden, aber für keinenMann, der des Hochverrarhs überwiesen ist. Er soll sich nntcr-wcrfcn: sagt die Königinn. Ist das wohl die eigentliche Gesin-nung, die sie haben muß, wenn sie ihn liebt? Wenn cr sichnun unterworfen, wenn cr nun ihre Verzeihung angenommenhat, wird Elisabeth darum von ihm mehr geliebt, als zuvor?Ich liebe ihn hundertmal mehr, als mich selbst: sagt die Köni-ginn. Ah, Madame; wenn es so weit mit Zhnen gekommenist, wenn Ihre Leidenschaft so heftig geworden: so untersuchenSie doch die Beschuldigungen Ihres Geliebten selbst, und ver-statten nicht, daß ihn seine Feinde unter Ihrem Namen so ver-folgen und unterdrücken, wie es durch das ganze Stück, obwohlganz ohne Grund, heißt."

Auch aus dem Freunde des Grafen, dem Salisbury, kannman nicht klug werden, ob cr ihn für schuldig odcr für «n-schuldig hält. Er stellt der Königinn vor, daß der Anscheinöfters bctricge, daß man alles von der Parthcylichkeit und Un-gerechtigkeit seiner Richter zu besorgen habe. Gleichwohl nimmtcr seine Zuflucht zur Gnade der Königinn. Was hatte cr die-ses nöthig, wenn cr scincn Frcund nicht strafbar glaubte? Aberwas soll der Zuschauer glauben? Der weiß eben so wenig, woran